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Würdenträger wählen Windfahnen


Der deutschen Regierung wird eine CD mit illegal erworbenen Daten möglicher Steuerhinterzieher angeboten. Der Bundesrat könnte nun androhen, die Verhandlung über ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland zu sistieren, wenn sich die Bundesregierung zum Daten-Hehler macht. Zweifellos wäre dies eine wirksame Drohung, da Berlin an Amtshilfe bei Steuerhinterziehung sehr interessiert ist. Das Bankkundengeheimnis hat der Bundesrat ja bereits aufgegeben. Doch stattdessen verkündet Hans-Rudolf Merz: „Die Verhandlungen müssen trotz dem Datenklau weitergehen.“ Wie schon im Streit um nachrichtenlose Vermögen im Jahr 1996 scheint Kapitulation auf Raten die oberste bundesrätliche Handlungsmaxime zu sein.

Aussenpolitische Probleme eines Landes haben ihren Ursprung nicht selten in innenpolitischen Fehlleistungen. Das gilt auch für den seit rund einem Jahr anhaltenden Wirtschaftskrieg gegen den Finanzplatz Schweiz, wie ein Blick auf unsere politische Führung veranschaulicht.

Doris Leuthard, Bundespräsidentin 2010: Gewählt wurde die Aargauerin im Jahr 2006, weil sie gute Beziehungen zum Establishment hatte. Ihre Wahl war ein Sololauf – Herausforderer gab es keine.

Eveline Widmer-Schlumpf, Justizministerin: Gewählt wurde die Bündnerin im Jahr  2007, weil sie sich dem rot-grün-christlich-freisinnigen Establishment besonders verpflichtet hat. Mehrwertsteuer-Erhöhung – Antiminarett-Initiative – Ausschaffungs-Initiative: Widmer-Schlumpf dient brav dem links-liberalen Mainstream gegen unliebsame bürgerliche Ideen.

Hans-Rudolf Merz, Finanzminister: Der Appenzeller galt vor seiner Wahl als stramm-bürgerlicher „Sparlamentarier“. Gewählt wurde er zwar nicht als Teil des Establishments, das die Staatsschulden auf Bundesebene in den Jahren 1990 bis 2003 von 38 auf über 120 Milliarden Fr. mehr als verdreifacht hatte. Umso schneller nahm er dafür als Bundesrat dessen Gewohnheiten an. Schon kurz nach der Wahl erklärte seine Partei, Merz werde die „hervorragende Arbeit“ von Vorgänger Kaspar Villiger weiterführen.

Das aktuelle Wahlsystem für das Amt des Bundesrates ist mitverantwortlich dafür, dass die Schweiz aussenpolitisch immer wieder zur Zielscheibe wird: Gewählt wird heute, wer dem politischen Machtkartell in Bundesbern genehm ist: Wer möglichst professionell die Macht des Systems verwaltet. Wer sich mit Interessengruppen gut stellt; und vor allem: Wer niemandem wirklich gefährlich wird.

Wer aber im eigenen Land als Windfahne Karriere macht, wird als Amtsträger gegenüber dem Ausland nicht plötzlich als harter, ernstzunehmender Verhandlungspartner auftreten können. Prinzipientreue und Volksverbundenheit werden erst dann wieder Leitschnur des bundesrätlichen Handelns, wenn die Regierung direkt von jenem Gremium gewählt wird, das Prinzipientreue und Volksverbundenheit belohnt: Vom Souverän.


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