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Andere Länder, andere Sitten: In
Deutschland schummelt der Verteidigungsminister bei seiner Dissertation. Als
sich Kritik in der Öffentlichkeit regt, tritt er zurück. In Libyen betrügt ein
grössenwahnsinniger Diktator seit rund 40 Jahren sein Volk. Als sich Kritik in
der Öffentlichkeit regt, tritt er nicht zurück. Er befiehlt den Soldaten
stattdessen, auf die eigenen Bürger zu schiessen, ja sogar das eigene Volk zu
bombardieren.
Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi
(bei Redaktionsschluss noch im Amt) wird erneut zum Problemfall, und erneut
ganz besonders für die Schweiz. Noch vor einem Jahr gelang es nicht, Max Göldi
und Rachid Hamdani aus Libyen in die Schweiz zu bekommen. Nun droht der Schweiz
eine Asylwelle.
Der Massenexodus aus Libyen wird zum
Härtetest für Europa, namentlich für das Dublin-Abkommen. Auch die Schweiz ist
Mitglied, nachdem im Jahr 2005 der Bundesrat das Abkommen als asylpolitisches
Allerweltsheilmittel verkaufte: Wer in einem Mitgliedstaat ein Asylgesuch stellt
und abgewiesen wird, kann im ganzen Dublin-Raum nicht nochmals ein Gesuch
stellen, sondern wird an den ersten Staat zurückgewiesen. Tönt gut, in der
Theorie. In der Praxis aber ist das Abkommen nur so gut wie der schwächste
Mitgliedstaat: Die Flüchtlingswelle wird vor allem Italien treffen. Aber Italien
ist überfordert und will nicht Europas Asyl-Depot sein.
„Die Schweiz wird Italien
unterstützen“, posaunt deshalb Justizministerin Simonetta Sommaruga. Dumm nur,
dass Italien die Schweiz nicht unterstützt. Sogar Michael Glauser, Sprecher des
Bundesamtes für Migration, muss zugeben, „dass Italien aus organisatorischen
Gründen die Kapazitäten der Überstellungen je Dublin-Staat beschränkt“. Auf gut
Deutsch: Italien gibt sich alle Mühe, seine Pflichten aus dem Dublin-Abkommen
nicht zu erfüllen. Die kollektive Verantwortung Europas entpuppt sich als
kollektive Verantwortungslosigkeit. Am Ende wirkt das Dublin-Abkommen nicht
einmal mehr als Placebo.
Geht es hart auf hart, muss die
Schweiz also doch wieder selbst Verantwortung übernehmen. Hat unser Land aus
den Fehlern der Asylpolitik zu Zeiten des Jugoslawien-Krieges gelernt oder wird
unser Land wieder zum Mekka für Asyltouristen? Im Zuge der Massenmigration nach
Europa werden nämlich auch unzählige Wirtschaftsflüchtlinge und Scheinasylanten
ihr Glück versuchen. Eine Aufstockung des Grenzwachtkorps drängt sich auf. Illegale
Einwanderung in die Schweiz darf sich nicht lohnen. Aus den Bundesämtern
vernimmt man derweil andere Signale: Ankommende Nordafrikaner könnten hier
ausgebildet werden. Gleichzeitig träumen die amtlichen Sozialromantiker davon, die
Ursprungsländer zu verpflichten, hier ausgebildete Asylanten später wieder einmal
zurückzunehmen.
Eher würde eine Wildente für die
Verlängerung der Jagdsaison stimmen.
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