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Wenn Politiker Fussballtrainer wären


Diesen Freitag beginnt die Fussball-WM. Einen Monat lang wird der Sport die Schlagzeilen dominieren. So soll auch hier für einmal der Fussball im Zentrum stehen; und wir stellen uns unsere Politiker einmal als Fussball-Trainer vor.

Hans-Rudolf Merz: Er möchte das Duell statt auf dem Feld lieber mit diplomatischen Mitteln lösen. Eine Verteidigung lässt er erst bilden, wenn sich ein gegnerischer Angriff abzeichnet. Wagt einmal ein Spieler einen Schuss aufs Tor, entschuldigt sich Merz beim gegnerischen Trainer, vornehmlich wenn dieser aus Libyen stammt und seinen Posten nicht rechtmässig erhalten hat.

Eveline Widmer-Schlumpf: Aus eigener Kraft hätte sie sich kaum Chancen auf den Trainerposten ausrechnen können, da sie die Mannschafts-Philosophie nicht mittragen konnte. Statt aber das Team zu wechseln, liess sie sich dank einer minutiös geplanten Intrige der Konkurrenz als Trainerin installieren. Dies nachdem die Intriganten eine Mehrheit des Verbandes dazu verleiten konnten, den früheren Erfolgs-Coach abzusetzen. Seither dümpelt das Team im Mittelfeld.

Moritz Leuenberger: Die Statuten des Fussballverbandes verunmöglichen faktisch eine Absetzung des Trainers, der auch nach jahrzehntelanger Tätigkeit keinen Titel nach Hause holen konnte. Aus Angst, der Nachfolger könnte die Taktik ändern, will Leuenberger seinen Trainerposten nicht räumen. Mittlerweile hat er einen eigenen Blog eröffnet, indem er sich jeweils über die Ungerechtigkeiten der Fussballwelt beklagt, wenn seine Mannschaft wieder ein Spiel verloren hat.

Christian Levrat: Kernstück seines Teams ist die Abwehr. An der schier unüberbrückbaren „Catenaccio“-Blockade beissen sich die Gegner regelmässig die Zähne aus. Allerdings fehlt der Mannschaft die Kreativabteilung: Vorgeschrieben ist eine überholte Taktik, die jede Individualität abwürgt; Teams wie die ehemalige Sowjetunion, welche diese Taktik über längere Zeit angewandt haben, mussten wegen leerer Kassen Konkurs anmelden. Zudem müssen gemäss Vereins-Statuten die erfolgreichen Spieler regelmässig exorbitante Sonderabgaben entrichten, damit die träge Club-Verwaltung erhalten werden kann. Viele der Spieler wechseln deshalb den Verein. Levrats Team laufen seit längerer Zeit die Fans davon.

Roger de Weck: Bisher setzte er sich vor allem als Kommentator in Szene, nachdem er als Trainer kaum Erfolge verbuchen konnte. Der Verband war aber entgegenkommend und hat bei der Trainerwahl das Stellenprofil speziell auf de Weck zugeschnitten. Unter dessen Regie werden die Fussballer nun statt Lauftrainings vermehrt Exposés verfassen: Wie schön es doch wäre, wenn anstelle des raubtierhaften Nationen-Wettkampfs an den Meisterschaften alle Mannschaften in Europa sich vereinigen würden und friedlich miteinander das Pass spielen üben könnten.


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