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Stresstest nicht bestanden


„Eine gute Regierung ist wie eine geregelte Verdauung. Solange sie funktioniert, merkt man kaum etwas von ihr“ (Erskine Caldwell, amerikanischer Schriftsteller, 1903-1987). An der Richtigkeit von Caldwells Erkenntnis hat sich bis heute nichts geändert.

Ebensowenig geändert hat sich leider auch die gegenteilige Praxis, der Regierung immer neue Aufgaben zu übertragen. US-Präsident Barack Obama z.B. drängt seinem Land derzeit einen Wohlfahrtsstaat nach europäischem Muster auf: Mit einem Konjunkturpaket von 800 Milliarden US-$ und einer 940 Mia. US-$ teuren Gesundheitsreform. Ebenso europäisch wie der Ausbau des Sozialstaates ist auch dessen fehlende Finanzierbarkeit. Die USA steuern auf einen finanzpolitischen Super-GAU zu. Deren Schuldenobergrenze liegt derzeit bei 14,3 Billionen (d.h. 14´300´000´000´000) US-$ und muss bis Juli 2011 erhöht werden, soll die Kreditwürdigkeit des Landes nicht herabgestuft werden.

Das vermeintliche europäische Vorbild überschreitet beim Ausbau der kontinentalen Umverteilungsbürokratie derzeit eine weitere Schallmauer. Nachdem die EU mit Einführung des Euro die Währungspolitik europäisiert – sprich: gleichgeschaltet – hat, wurden auch die entsprechenden Probleme europäisiert: Wenn Staaten wie Griechenland, Irland und Portugal über ihre Verhältnisse lebten und nun vor dem Bankrott stehen, droht dem ganzen Euro-Raum ein Blackout. Die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) gewährten Griechenland in der Not 110 Mia. € Finanzhilfe. Kurz darauf spannten EU und IWF einen 750 Mia. € teuren Rettungsschirm. Daraus erhielten Irland 85 Mia. € und Portugal 78 Mia. €. Der Rettungsschirm wurde inzwischen verstetigt, trotz Nichtbeistandsklausel im EU-Recht. Griechenland muss inzwischen bereits für ein zweites Hilfspaket den Bussgang nach Brüssel antreten; das bisher gesprochene Geld reicht nicht mehr. Die EU ist zu einem schwarzen Loch für Steuergelder geworden.

Zurückhaltung ist ein Fremdwort. Die EU muss wachsen, will sie den Mythos des vereinten Europas erhalten – und von ihren Problemen ablenken. Am 11. Juni 2011 gab die EU-Kommission grünes Licht für einen EU-Beitritt Kroatiens. Den Status eines Beitrittskandidaten haben zudem Montenegro und Mazedonien. Serbien will nach der Verhaftung Ratko Mladics ebenfalls Kandidatenstatus haben. Kein Wunder, ein Beitritt ist für die Neumitglieder ein gutes Geschäft: Kroatien z.B. kann seine Arbeitslosigkeit in den EU-Raum auslagern und erhält vom Brüsseler Futtertrog neue Fördergelder für die Landwirtschaft.

Mehr Staat, mehr Europa, mehr Umverteilung: Jene vermeintlichen Lösungsrezepte haben den Stresstest nicht bestanden. Zeit, davon Abschied zu nehmen. Für die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied eigentlich kein grosses Problem: Ein Rückzug des EU-Beitrittsgesuches wäre schon die halbe Miete.


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