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Sommer-Kasperlitheater für den EU-Beitritt


Die Europäische Union hat der Welt soeben die Unzulänglichkeiten ihres Systems vor Augen geführt. Sie musste zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) 750 Milliarden Euro sprechen, um ihre Währung zu retten und ihre maroden Mitglieder vor dem Staatsbankrott zu bewahren. Deutschland alleine muss nun 148 Milliarden Euro bereitstellen. Für Staaten wie Griechenland, das bis jetzt Haushaltszahlen systematisch geschönt hat, um in der Euro-Zone dabei sein zu können, und seine Bevölkerung mit durchschnittlich 61 Jahren in Rente schickt.

Nichtsdestoweniger haben EU-Turbos in allen politischen Lagern gerade in diesen Wochen die Beitrittsdiskussion neu entfacht. Der Zeitpunkt der Diskussion ist insofern bezeichnend, als sich auch die EU seit Jahren als resistent erweist gegenüber den Bedürfnissen der Öffentlichkeit. Neuerdings sympathisiert aber selbst der eigentlich liberale Think-Tank „Avenir Suisse“ mit dem EU-Beitritt, allerdings will man den Euro nicht übernehmen.

EU-Botschafter Michael Reiterer hat das Seine zur Diskussion beigetragen und die Schweiz ermahnt: Es gebe keine Sonderlösungen mehr. Auch einem Beitritt mit Beibehaltung des Schweizer Frankens erteilt der EU-Magistrat eine klare Absage mit Verweis auf die neue EU-Verfassung. Schlechte Zukunftsaussichten für die EU-Allüren von „Avenir Suisse“.

Reiterers Drohgebärde an die Adresse von Bundesbern dürfte sich als blosse Knallpetarde erweisen. Die Schweiz ist für die EU der zweitwichtigste Handelspartner, die Union ist an intakten Beziehungen zur Schweiz interessiert.

Dessen ungeachtet kämpft FDP-Nationalrätin Christa Markwalder an vorderster Front für den EU-Beitritt. Sie möchte, dass wir in Europa mitbestimmen können. Wenn Politiker davon sprechen, dass „wir“ in der EU mitreden können, meinen sie meistens sich selbst. Wieviel von der Mitbestimmung des Volkes in Europa übrig geblieben ist, zeigte unlängst das Prozedere um den Lissabonner Vertrag. Die EU gab sich eine Verfassung. Die Stimmbürger mussten zusehen. Nachdem Frankreich und Holland die EU-Verfassung beim ersten Anlauf bachab schickten, wollten die Politiker kein Risiko mehr eingehen. Einzig die Iren durften über den Lissabonner Vertrag abstimmen. Sogar zweimal. Denn bei der ersten Abstimmung wurde er abgelehnt. Die Iren mussten also nachsitzen und abstimmen, bis das Ergebnis auch „korrekt“ war.

Unlängst haben die Kenianer über eine neue Verfassung abgestimmt. Die Abstimmung wird auch nicht wiederholt. Die Kenianer konnten Rechte wahrnehmen, welche die EU ihren Bürgern nicht gewährt: Die EU hat Europa, die Wiege des Humanismus und der Aufklärung, zu einer supranationalen Bananenrepublik verkommen lassen. Wer in der Schweiz nach wie vor auf das sinkende Schiff aufspringen möchte, liefert höchstens noch Stoff für ein Sommer-Kasperlitheater.


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