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Skandal-Staatsvertrag mit den USA


Es war eines der traurigsten Kapitel helvetischer Politik, das am 17. Juni zu Ende ging. Der Nationalrat folgte dem Ständerat und stimmte dem Staatsvertrag mit den USA zu. Die Schweiz liefert nun Daten von rund 4´500 UBS-Kunden an die USA. Dabei wird rückwirkend neues Recht angewendet. Ein rechtsstaatlicher Skandal! Als würde morgen beschlossen, dass ab letztem Jahr das Halten von Offroadern ein Vergehen wäre und gegen die (damaligen) Fahrzeughalter nun Strafverfahren eröffnet würden. Jede Rechtssicherheit geht so verloren.

Ebenso beschloss das Parlament, den Staatsvertrag nicht dem Referendum zu unterstellen. Das Volk muss also zuschauen, wie der Rechtsstaat ausgehebelt wird. Durch Bundesrat und Parlament. Durch jene Elite, deren Mitglieder regelmässig warnen, zuviel direkte Demokratie könne den Rechtsstaat gefährden. Nun wäre die direkte Demokratie die letzte Möglichkeit gewesen, um die behördliche Relativierung des Rechtsstaates bekämpfen zu können.

Niemand hat sich in dieser Affäre mit Ruhm bekleckert. Nicht die UBS, welche die ganze Affäre ins Rollen brachte. Nicht der Bundesrat, der die Brisanz der Attacke aus den USA nicht erkannte und dann den Knebelungsvertrag mit den USA abschloss; und schon gar nicht die Linke, die den Vertrag zwar ablehnte, aber nur deshalb, weil sie mit ihrer Forderung nach neuen Steuern nicht durchkam.

In der Arena-Sendung vom 4. Juni warb FDP-Nationalrätin Doris Fiala für ein Ja zum Staatsvertrag und warf der Gegenseite vor, „stur auf dem Rechtsstaat zu beharren“. Wie bitte?! Stur auf dem Rechtsstaat zu beharren ist keine Engstirnigkeit, es ist eine staatsbürgerliche Pflicht. Ob gegenüber islamischen Extremisten oder amerikanischen Steuerbehörden: Die Schweiz setzt ihr Recht und setzt es durch.

Die Kaskade aussenpolitischer helvetischer Bücklinge will nicht abreissen. Da war der Kniefall beim Bankgeheimnis und die Zusage, in Zukunft auch bei vermuteter Steuerhinterziehung Amts- und Rechtshilfe zu leisten. Da war der Kniefall in der Libyen-Affäre: Finanzminister Hans-Rudolf Merz und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey traten den Bussgang nach Tripolis an und entschuldigten sich bei Wüsten-Diktator Gaddafi. Nun folgt mit dem Staatsvertrag ein erneuter Kniefall: Für US-Steuerbehörden relativiert die Schweiz den Rechtsstaat.

Die Tragik helvetischer Führungslosigkeit wird nur noch durch die Tatsache verdeckt, dass das Ausland derzeit noch grössere Probleme hat: Griechenland steht am Rande des Staatsbankrotts und reisst die Union und den Euro gleich mit in den Abgrund. Die USA sind mit unvorstellbaren 12,9 Billionen US-$ verschuldet. Gleichzeitig verpestet ein Öl-Leck nie gekannten Ausmasses den Golf von Mexiko.

Welch eine Legitimation für unsere Bundesräte: Sich noch im Amt halten können, weil andere Schlagzeilen gerade für mehr Furore sorgen.


hinauf