>>zurück zu den Kolumnen
Saubermänner mit Leichen im Keller


„Zuerst vor der eigenen Tür wischen“, lautet eine Volksweisheit, um lästige Nörgler auf Distanz zu halten. In der hohen Politik gelten indes andere Grundsätze, was für Politiker mitunter ganz nützlich sein kann:

Bekanntlich ist die Schweiz im Frühjahr 2009 Zielscheibe eines gut koordinierten Wirtschaftskrieges geworden. Streitpunkt war das Bankgeheimnis, das die Schweiz angeblich als Steuerhinterziehungs-Geheimnis missbrauche. Die Attacken kamen insbesondere aus Washington, London und Berlin.

Wie steht es um die Glaubwürdigkeit jener Steuer-Saubermänner, welche der Schweiz vorwerfen, sie leiste unlauteren Machenschaften Vorschub?

Saubermann Alistair Darling, britischer Finanzminister: Der Brite mit dem lieblichen Namen warf der Schweiz mangelnde Transparenz vor: „Das ist eines der Dinge, die die Schweiz angehen muss.“ Das Bankgeheimnis sei „nicht tolerierbar“. Selbst jedoch ist Darling in den Spesenskandal der britischen Regierung verwickelt. Er hat unberechtigt einen Wohnungszuschuss kassiert und der Öffentlichkeit die Kosten für seinen privaten Steuerberater aufgebürdet. Die Opposition hat bereits Darlings Rücktritt gefordert.

Saubermann Timothy Franz Geithner, US-Finanzminister, verlangte mit Blick auf die Schweiz, „nicht begründbare Steuerschlupflöcher“ künftig zu schliessen. Sich selbst hatte Geithner dabei kaum als Massstab für steuerliche Transparenz vor Augen. Während seiner Zeit beim internationalen Währungsfonds hat er Steuern im Umfang von 34´000 Dollar nicht bezahlt. Erst mit mehrjähriger Verspätung kam auch Timothy Geithner seinen Pflichten als Steuerzahler nach, teilweise unmittelbar vor seiner Nomination zum Finanzminister.

Schliesslich noch Saubermann (Peitschen-)Peer Steinbrück, deutscher Finanzminister: Er will Steueroasen trocken legen und die darin lebenden Indianer mit Zuckerbrot und Peitsche zähmen. Sorgt Sheriff Steinbrück denn auch bei sich selbst für Ruhe und Ordnung? Nicht wirklich: In seiner Zeit als Finanzminister und Ministerpräsident des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen wurden in den Jahren 2001 und 2002 Budgets abgesegnet, die nach Auffassung des Landesverfassungsgerichts verfassungswidrig waren.

Soviel zu den Saubermännern mit Leichen im Keller aus London, Washington und Berlin. Aber Leichen hin oder her – politische Erfolge feiern können die Herren Darling, Geithner und Steinbrück dennoch. Zumindest gegenüber der Schweizer Landesregierung. Namentlich auf Druck jener „Saubermänner“ hat der Bundesrat bekanntlich beschlossen, das Bankkundengeheimnis aufzuweichen und dem Ausland in Zukunft auch bei vermuteter Steuerhinterziehung Amts- und Rechtshilfe zu leisten. Dass Heuchler in hohen politischen Ämtern die Schweiz ins Fadenkreuz nehmen, ist nichts Neues. Wie schnell der Bundesrat kapituliert, indessen schon.


hinauf