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Parodie der Demokratie


Demokratie in Simbabwe ist unkompliziert. Denn der Sieger steht schon vor der Wahl fest: Robert Mugabe. Droht ein Oppositioneller die Wahlen zu gewinnen, wird er mit Gewalt- und Einschüchterungskampagnen zum Verzicht auf die Kandidatur gezwungen. So bleibt alles unkompliziert.

Soviel zu Demokratie à la Mugabe. Das stösst nun auch im Westen auf Kritik (nachdem dieser Westen vor 30 Jahren in Mugabe noch einen „Freiheitskämpfer“ gesehen hat). Der EU-Aussenbeauftragte Javier Solana etwa bezeichnete die Wahl als „Parodie der Demokratie“.

Das ist zweifellos so. Ebenso zweifellos ist die EU aber nicht der demokratische Musterknabe, welcher seinen Funktionären die Legitimation verleihen kann, von anderen Staaten mehr Demokratie zu fordern.

Nicht nur Mugabe, auch die EU hat nämlich so ihre Probleme mit der Demokratie. Stichwort Reformvertrag von Lissabon. Wobei sich die Reform auf den Namen beschränkt. Vor drei Jahren ist ein praktisch identisches Dokument, die EU-Verfassung, von den Stimmbürgern in Frankreich und Holland schon einmal bachab geschickt worden.

Der Lissabonner Vertrag soll also wie sein Vorgänger die „politische Integration“ vertiefen, sprich die Nationalstaaten weiter entmachten: Weitgehende Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips, EU-Grundrechtscharta etc.

Überall nicken die Parlamentarier das Regelwerk brav ab. Nach den Abstimmungsniederlagen beim Vorgängervertrag mochte niemand mehr das Risiko eingehen, den Vertrag demokratisch durch das Volk absegnen zu lassen. Nur in Irland musste aufgrund der dortigen Rechtslage ein Referendum stattfinden.

Die EU musste zur Abstimmung antreten – und bestand den Test vor dem Volk wieder nicht.

Doch waschechte Berufseuropäer haben sich noch nie von Stimmbürgern bremsen lassen: Referendum wiederholen. Europa der zwei Geschwindigkeiten. Vertrag weiter ratifizieren und Irland links liegen lassen. Ernstlich diskutiert werden so ziemlich alle Varianten – abgesehen von derjenigen, den Volksentscheid ernst zu nehmen. Zwei praktisch identische Verträge für eine stärkere politische Union wurden in Volksabstimmungen innerhalb von drei Jahren niedergeschmettert. Vielleicht wollen die Bürger in Europa ganz einfach keine starke politische Union.

Die EU ist zur „Parodie der Demokratie“ verkommen. Sie will laut eigenen Grundsätzen (Art. 1a des Lissabonner Vertrages) demokratisch sein, aber ihre Funktionäre möchten die Herrschaft lieber ohne Volk ausüben; und dann belehren sie Entwicklungsländer über Demokratie im Namen einer Union mit Demokratie-Standards wie in einer Bananenrepublik:

Robert Mugabe und die Brüsseler Eurokraten wissen beide, dass sie Demokratie bei sich nur in kastrierter Form dulden dürfen. Sonst wären sie politisch sterilisiert.


hinauf