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Papier ist geduldig


„Wie uns die SVP schadet“, wusste die deutsche Wochenzeitung DIE ZEIT kürzlich zu berichten. Die Warnung vor der grössten Schweizer Partei war für die „grosse Qualitätszeitung mit extra Schweiz-Teil“ (DIE ZEIT über DIE ZEIT) offenbar so wichtig, dass die Story sogar den Weg auf die Titelseite des Schweizer Teils fand.

Der Leser erhält beinahe den Eindruck, der Schweiz stehe ein parteipolitisches Fukushima bevor: Mit einer „millionenteuren Strategie der Diffamierung von Minderheiten“ habe die SVP fast 30% der Wähler für sich gewinnen können. „Mit ihrer Politik der Verweigerung und Verachtung aber gefährdet die SVP das Wohlergehen des Landes“, werden wir aus Deutschland belehrt.

Gemach: Wenn ein Land bereits einen Ausländeranteil von bereits mehr als 20% aufweist und im Wirtschaftskrisenjahr 2010 nochmals eine Nettoeinwanderung von über 68´000 Menschen verzeichnet, dürften sich die betroffenen Minderheiten weder diffamiert noch verachtet fühlen. Zum Vergleich: In Deutschland wird bereits bei einem Ausländeranteil von ca. 9% über eine Selbst-Abschaffung des Landes diskutiert. Für manchen deutschen Steuerzahler wäre zudem etwas mehr Verweigerung gegenüber dem Brüsseler Polit-Biotop ganz angenehm, nachdem er derzeit den euro-geschädigten Kontinent sanieren muss.

DIE ZEIT hat zur Untermauerung ihres atemberaubenden Thesenjournalismus gegen die SVP sogar noch ein paar helvetische Kronzeugen aufbieten können: So etwa Walter Schmid, Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, oder Nationalrätin Brigitta Gadient. Für Ersteren als fleissiges Bienchen der helvetischen Sozialindustrie und Letztere als BDP-Mitglied ist die SVP sozusagen von Amtes wegen Staatsfeind Nr. 1. Schmid und Gadient bestätigen denn auch brav die Lageanalyse aus dem Norden. Eine Plattform erhielt auch der Pädagoge Hans Zbinden, der über die SVP-Bildungspolitik herzog. Dass Zbinden für die SP 10 Jahre im Aargauer Kantonsrat und danach im Nationalrat sass, verschwieg die „grosse Qualitätszeitung“ dem Leser allerdings.

Wir erkennen ein Grundsatzproblem des Ausland-Journalismus: Bei Auslandberichterstattungen der Medien sind grundlegende Selbstregulierungs-mechanismen ausser Kraft gesetzt. Zeitungsabonnemente werden in der Regel weder bestellt noch gekündigt wegen der Auslandberichterstattung. Berichtet also eine Zeitung einseitig über Vorgänge im Ausland, droht ihr trotzdem kein Abonnentenboykott. Papier ist im Auslandteil besonders geduldig.

Man fühlt sich manchmal an den bösartigen Ausspruch des amerikanischen UN-Botschafters Adlai Stevenson erinnert: „Ein Journalist ist jemand, der die Spreu vom Weizen trennt und dann die Spreu druckt.“


hinauf