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Paket-Bombe, adressiert an die direkte Demokratie


Vor 200 Jahren wurde Abraham Lincoln geboren, einer der grössten US-Präsidenten. Grund genug, um über die Rolle der Politiker in der Demokratie etwas nachzudenken: Politiker vertreten Interessen, sie sind also in einem gewissen Sinn Anwälte: Anwälte des Volkes oder zumindest ihrer Wähler.

Gute Anwälte sorgen sich um die Rechte ihrer Mandanten. Für Politiker bedeutet dies, Sorge zu den Rechten der Bürger zu tragen. Zu den wichtigsten unter jenen Rechten gehören die Volksrechte: Wahl-, Referendums- und Initiativrecht. Sie machen Stummbürger zu Stimmbürgern, sie geben den Beherrschten Herrschaftsmöglichkeiten.

Schlechten Anwälten kann man kündigen. Schlechten Politikern leider nicht. Aber man kann die Volksrechte nutzen und ihnen so auf die Finger klopfen. Z.B. am kommenden 8. Februar bei der Abstimmung über die Personenfreizügigkeit.

Letzten Sommer debattierte das Parlament über die Vorlage. Eine Mehrheit war für die Vorlage. Dem Volk lässt sich die Ausdehnung der unkontrollierten Einwanderung auf Rumänien und Bulgarien aber nicht schmackhaft machen. Also verknüpft ebendiese Parlaments-Mehrheit die riskante Ausdehnung auf Rumänien und Bulgarien mit der unbestrittenen Frage, ob man die bilateralen Verträge mit der EU überhaupt weiterführen will. Schliesslich beschuldigt man die Gegner, mit dem Referendum nun die Bilateralen insgesamt zu gefährden.

Von einer Paket-„Lösung“ zu sprechen, ist in dieser politischen Schmierenkomödie bereits des Goodwills zuviel. Diese Vorlage ist eine Paket-Bombe, gezielt adressiert an die Fundamente unserer direkten Demokratie, nämlich an die Garantie der unverfälschten Stimmabgabe (Art. 34 der Bundesverfassung). Den Stimmbürgern verbleibt die Rücksendung an den Absender mit klarem Auftrag: Bombe entschärfen und den nicht-explosiven Teil der Vorlage nochmals zur Abstimmung bringen vor Ablauf der Kündigungsfrist der bilateralen Verträge im Juni 2009.

Ja, das Schweizer Volk steht hinter den Bilateralen – grundsätzlich. Mit der jetzt zur Abstimmung stehenden Vorlage verlangt die classe politique von den Stimmbürgern aber politischen Kadavergehorsam. Der britische EU-Parlamentarier Nigel Farage sprach über Rumänien und Bulgarien Klartext: „Wir hätten diese Staaten niemals in die EU aufnehmen dürfen. Sie erfüllen so gut wie keine Aufnahmekriterien und sind in diesem Zustand eine Gefahr für ganz Europa.“

In der direkten Demokratie ist das Volk die Opposition. Sein Mittel, sich Gehör zu verschaffen, ist der Stimmzettel. Abraham Lincoln sagte einst: „Der Stimmzettel ist stärker als die Kugel.“ Am 8. Februar haben die Stimmbürger Gelegenheit, diese wirksame Waffe gegen das politische Machtkartell in Bundesbern einzusetzen.


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