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Neutralität statt UNO-Machtpolitik


Am 3. März 2002 entschieden sich die Schweizer Stimmbürger hauchdünn für einen Beitritt in die UNO. Hätte nur ein Kanton mehr zum Nein-Lager gehört, wäre der Beitritt am Ständemehr gescheitert. Entscheidend für das knappe Ja war die bundesrätliche Garantie, die Neutralität zu wahren. Im Beitrittsgesuch des Bundesrates an die UNO wurde wörtlich festgehalten: „Die Schweiz bleibt auch als Mitglied der Organisation der Vereinten Nationen neutral.“

Die Verjährungsfristen bundesrätlicher Versprechen sind bekanntlich kurz bemessen. Heute nämlich will der Bundesrat, dass die Schweiz in den Jahren 2023/2024 Einsitz im UNO-Sicherheitsrat nimmt. Er hat deshalb entschieden, die Schweiz auf der Kandidatenliste der westlichen Regionalgruppe einzuschreiben.

Der UN-Sicherheitsrat besteht aus 15 Mitgliedern und ist das entscheidende Gremium in der UN-Bürokratie. Hier wird über Krieg und Frieden entschieden. Der Sicherheitsrat kann Resolutionen zu Konflikten erlassen und Staaten massregeln. Er kann Boykotte und Wirtschaftssanktionen verhängen; und der Sicherheitsrat kann Staaten ein Mandat zur Durchführung von Kriegshandlungen im Namen der UNO erteilen.

Ist die Schweiz im UN-Sicherheitsrat, muss sie Partei ergreifen. Das kann mitunter unangenehm werden, wie ein Blick auf einige Beschlüsse aus vergangenen Jahren zeigt:

1990: Der Sicherheitsrat erteilt ein Mandat für einen Krieg gegen den Irak.

1999: Der Sicherheitsrat erlässt ein Mandat für die Einrichtung einer Übergangsverwaltung im Kosovo, notabene auf serbischem Territorium. Dies schafft die Grundlage für einen eigenen Staat Kosovo.

2001: Der Sicherheitsrat erlässt das Mandat für die UNO-Schutztruppe in Afghanistan, auf welche seither laufend Anschläge verübt werden von Seiten der Taliban.

2002: Der Sicherheitsrat verurteilt unter amerikanischem Druck den Irak unter Saddam Hussein und droht ihm mit „ernsthaften Konsequenzen“, falls er den UN-Waffeninspektoren nicht bedingungslosen Zugang zu allen Einrichtungen gewährt. Die USA lesen daraus eine Kriegsermächtigung.

2009: Der Sicherheitsrat fordert Israel zum Rückzug der Streitkräfte aus dem Autonomiegebiet auf.

Wo über Krieg und Frieden entschieden wird, bleibt für eine Neutralität kein Spielraum mehr. Wenn die Schweiz im Sicherheitsrat über Krieg und Frieden entscheidet, steht sie im Schaufenster der Weltöffentlichkeit; und wird unnötig in fremde Machtkämpfe hineingezogen. Die UNO ist keine Weltregierung, sie hat kein Gewaltmonopol. Aber sie ist ein beliebtes Vehikel für die Nationalstaaten, um eigene Interessen zu tarnen. Nationale Machtpolitik wird plötzlich eine Massnahme zur „Wahrung des Weltfriedens“.

Wo im Namen der reinen Moral reine Macht ausgeübt wird, hat die neutrale Schweiz nichts zu suchen. Das passt reisefreudigen Politikern nicht. Aber es schützt das Land.


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