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Miese Deals


Derzeit versucht das Kommunikationsunternehmen Tele2, die Konsumenten mit einem originellen Werbespot für sein aktuelles Angebot zu begeistern. Ein Wechsel zu Tele2 wird ihnen schmackhaft gemacht mit dem Slogan „Miese Deals gibt´s schon genug“.

Die Schweiz steht derzeit ebenfalls vor einem Deal, nämlich mit der europäischen Union – und dieser Deal scheint ziemlich mies zu werden.

Es geht um die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Rumänien und Bulgarien. Das Wohlstandsgefälle zwischen der Schweiz und diesen Ländern ist noch einmal grösser als gegenüber den anderen 10 EU-Ost-Staaten. In Rumänien liegt das Bruttoinlandprodukt je Einwohner bei US-$ 7´697, in Bulgarien bei US-$ 5´186 (CH-Schnitt: US-$ 58´084). Entsprechend gross wäre also die Verlockung, in die Schweiz zu kommen.

Diese Migration würde nicht ohne Folgen für den Sozialstaat bleiben. Der angesehene deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn hält für sein Land fest: „Der Sozialstaat wirkt (…) wie eine Art zweipoliger Magnet für die wanderungsbereiten Menschen. Mit der einen Seite zieht er die Kostgänger des Staates an, mit der anderen stösst er die Nettozahler, durch deren Anwesenheit das Staatsbudget entlastet wird, ab.“ Sinns Warnung gilt ohne Weiteres auch für die Schweiz.

Parallel zu dieser Frage der Freizügigkeits-Ausdehnung spielt sich ein anderer Vorgang ab. Die EU kritisiert die Steuervorteile, welche Holdinggesellschaften in einigen Schweizer Kantonen geniessen.

Dass sich die Schweiz mit irgendwelchen Erpressungsmanövern der EU herumschlagen muss, ist mittlerweile zum „courant normal“ geworden. Meist geht es um das Bankgeheimnis. Ist dieses einmal nicht Zielscheibe, kommen Schweizer „Steueroasen“ an die Kasse.

Bei den Steuererleichterungen handle es sich nämlich – laut EU – um unerlaubte Subventionen. Diese Argumentation ist aus EU-Sicht durchaus konsequent. Wo das Privateigentum gering geschätzt wird und Steuergelder der staatlichen Allmacht unterliegen, da gelten Steuererleichterungen eben als Subventionen.

Gessler ist wieder auferstanden; und hat Residenz in Brüssel. Aber heute grüsst der Schweizer Landadel demütig den Hut. Bundesrat und Parlament wollen die Personenfreizügigkeit mit den 10 EU-Ost-Staaten weiterführen. Obwohl wir noch keine Sekunde Zeit hatten, die Auswirkungen ohne flankierende Massnahmen zu testen. Sie wollen die Personenfreizügigkeit aber gleich auch noch auf die neusten EU-Mitglieder Bulgarien und Rumänien ausdehnen. In dieser Ausverkaufs-Euphorie haben es weder Bundesrat noch Parlament für nötig erachtet, von der EU im Gegenzug die Anerkennung unserer kantonalen Steuersouveränität zu fordern.

Da bleibt nur noch das Referendum. Denn miese Deals gibt´s wirklich schon genug.


hinauf