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Vor kurzem ging die Pariser Modewoche über
die Bühne: Viel Glanz & Gloria, viele Promis und vor allem: Viele wandelnde
Knochengerüste, die der Welt die neusten Modetrends präsentierten.
Wenig Fleisch am Knochen und viel Glamour.
Das erinnert nicht nur an Models, sondern auch an die Sozialdemokraten von
heute. Denn vor lauter snobistischem Gutmenschentum, political correctness und
Cüpli-Meetings vergass die Partei ihre Stammklientel – und verlor die Wahlen.
Mit Christian Levrat soll´s nun ein neuer Präsident
richten. In seiner Antrittsrede pries der Gewerkschafter den Kopf des
Generalstreiks von 1918, Robert Grimm. Er sei „Vorbild sozialdemokratischen
Engagements“, gar die „prägendste Figur der Schweizer Sozialdemokratie“.
Persönlichkeiten der Geschichte als
Identifikationsfiguren auszuwählen, ist lobenswert. Aber muss es gleich ein
Marxist sein? Man wird den Eindruck nicht los, das Geschichtsverständnis der
Linken sei etwas lückenhaft. Die Genossen erinnern sich gerne an einen bekannten
marxistischen Politiker, der vor 50 Jahren gestorben ist. Noch nicht so recht
angefreundet hat sich die SP aber mit dem Scheitern des real existierenden
Marxismus. 1989 fiel die Berliner Mauer, aber die SP mauert weiter: Gegen
Steuersenkungen, gegen den freien Wettbewerb, gegen den Kapitalismus überhaupt.
In ihrem Parteiprogramm fordert sie noch immer die „Überwindung des
Kapitalismus“.
Wieso eigentlich ist es noch immer en vogue,
sich auf Marxisten zu berufen? Wo der Marxismus politisch umgesetzt wurde,
entstanden kommunistische Parteidiktaturen: Die Sowjetunion, Nordkorea, Rot-China,
Kuba etc. Die Resultate sind überall dieselben: Unfreiheit, Armut, Elend. Rund
100 Millionen Menschen mussten aufgrund kommunistischer Regime ihr Leben lassen.
Dass Marxismus und Kommunismus nicht ebenso
wie der Nationalsozialismus geächtet werden, hängt wesentlich mit der links
dominierten Nachkriegs-Intellektuellengeneration zusammen. Max Frisch etwa mahnte
in etlichen seiner Romane vor den Gefahren des Nationalsozialismus. In Maos roter
Hölle (45-65 Millionen Tote) aber erkannte er „eine Politik, die über den
Ökonomismus hinauszielt und in erster Linie eine sozialethische Einstellung
anstrebt (…).“
Noch 1982 hofierten hiesige SP-Grössen wie
Helmut Hubacher oder Peter Vollmer bei DDR-Führer Erich Honecker. In
Deutschland werden heute Koalitionen mit Alt-Kommunisten zu einem ernsthaften
Thema. In Italien ist dies bereits Gang und Gäbe.
Deshalb darf Christian Levrat Marxisten zum
Vorbild seiner Partei ernennen, ohne dafür von der Presse oder dem Kulturfilz
Kritik einzufangen; SP-Nationalrat und Berufshumanist Andreas Gross nennt
derweil Christoph Blochers Volksverständnis „totalitär“. Das alles ist nicht
besonders ehrlich. Aber modisch.
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