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Liberalismus am Scheideweg


In Krisenzeiten hat es der (Markt-)Liberalismus schwer. Das gilt auch für die aktuelle Finanzkrise. Der Liberalismus wird Opfer öffentlicher Undankbarkeit. Die freie Marktwirtschaft hat den Menschen erst den Wohlstand ermöglicht, der sich nun teilweise wieder reduziert. Aber das ist jetzt egal. Der Staat kann nur deshalb in der Krise zu Hilfe eilen, weil er vorher von den Akteuren der freien Marktwirtschaft üppig gefüttert worden ist. Das ist jetzt ebenso egal wie die Tatsache, dass der Staat aufgrund einer expansiven Geldpolitik der Nationalbank und seiner „Hausbesitz für jedermann“-Politik die Immobilienblase mitverschuldet hat.

Besonders anfällig auf diese krisenbedingte Liberalismus-Demenz sind Intellektuelle wie z.B. Wirtschaftsjournalist Philipp Löpfe. „Neoliberal war gestern: Umdenken!“, proklamiert er im Magazin. Trumpf sei jetzt ein liberaler Paternalismus: Der Staat akzeptiert zwar grundsätzlich die Freiheit des Einzelnen, soll ihm aber beim Entscheiden „mit sanften Schubsern“ etwas unter die Arme greifen.

Ein Liberalismus also, wo jeder frei wählen darf, nachdem ihm der Staat mit Zwangspräventionskampagnen (heute im Umfang von 1.13 Mia. Fr.) die Lösungswege vorgekaut hat; wo jede Person frei entscheiden kann und dann zum Väterchen Staat rennt, wenn sie als Alleinerziehende nicht über die Runden kommt oder sich als Immigrant nicht angestrengt hat, die deutsche Sprache zu lernen.

Mal abgesehen davon, dass sich die Bundesschulden von 1990-2006 trotz angeblichem Neoliberalismus von 38,5 auf 123,6 Mia. Fr. mehr als verdreifacht haben: Ein liberaler Paternalismus ist logisch undenkbar. Entweder man glaubt an die Selbstverantwortung des Menschen. Dann ist man liberal. Oder man glaubt daran, dass der Präventionsstaat seinen unbeholfenen Schäfchen nachhelfen muss. Dann ist man Paternalist. Beides geht nicht.

Gewiss: 68 Mia. Fr. Staatshilfe für die UBS sind viel. Aber nicht genug, um den Liberalismus in Frage zu stellen. Denn dieses Rettungspaket soll in einer der schwersten Wirtschaftskrisen der neueren Geschichte die Existenz der Schweiz als liberalen Staat bewahren. Notrecht also. Notrecht stellt den Liberalismus nicht in Frage, sondern sichert ihn auf Dauer.

Zum Schluss: Ein Liberalismus, der sich in Krisen dem Paternalismus hingibt, ist nicht neu. Schon die liberale Deutsche Staatspartei praktizierte ihn vor 75 Jahren. Angesichts der scheinbaren Notwendigkeit eines starken Staates hielt deren Vertreter Reinhold Maier im Reichstag 1933 fest: „Im Interesse von Volk und Vaterland und in der Erwartung einer gesetzmäßigen Entwicklung werden wir unsere ernsten Bedenken zurückstellen und dem Ermächtigungsgesetz zustimmen.“ Das Ermächtigungsgesetz markierte den Beginn des Dritten Reiches.


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