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Die
Schweizer Parlamentswahlen 2011 sind vorbei. Alle grossen Parteien haben punkto
Wähleranteile etwas eingebüsst. Die SVP blieb dabei – was im Getöse der
medialen Schadenfreude etwas unterging – mit Abstand stärkste Partei, gefolgt
von SP, FDP und CVP. Die Fraktion der Grünen wurde trotz Fukushima vom Souverän
um rund einen Drittel dezimiert.
Nach
der Wahl ist vor der Wahl: Bereits am 14. Dezember 2011 hat das neue Parlament
einen neuen Bundesrat zu wählen. Angesichts der immer stärker wachsenden
öffentlichen Verwaltung ist die Wahl der obersten Verwaltungsbehörde – also der
Landesregierung – der wohl wichtigste politische Grundsatzentscheid des
Parlamentes. Seit knapp vier Jahren drückt sich die Politik vor der
entscheidenden Frage: Hat die Konkordanz eine Zukunft? Das Buebe-Trickli mit
dem Kuckucksei aus Felsberg funktioniert dieses Mal nicht mehr. Eveline Widmer-Schlumpf
tritt als Kandidatin der BDP an. Die BDP ist und bleibt – trotz ein paar Sitzgewinnen
– eine Kleinpartei: Nicht grösser als die Grünliberalen (welche keinen Sitz im
Bundesrat haben); kleiner als die Grünen (die ebenfalls keinen Sitz in der
Regierung haben); und rund 5-mal kleiner als die SVP, die als stärkste Partei
mit nur einem Bundesrat krass untervertreten ist.
Dieses
Missverhältnis hat in den letzten vier Jahren die Politik regelmässig gelähmt
und in der Bevölkerung für Unverständnis gesorgt. Vor der Abwahl Christoph
Blochers waren die grossen Schweizer Parteien im Bundesrat entsprechend ihrer
Sitzzahl im Parlament vertreten. Eine einfache und sinnvolle Lösung: Ein
möglichst grosser Teil der Stimmbürger soll im Bundesrat mit eingebunden
werden, um so die Akzeptanz der Regierungsarbeit in Volk und Parlament zu gewährleisten.
Die
Chancen für eine Korrektur hin zur Konkordanz sind aber – jedenfalls mit Blick
auf erste Äusserungen der Parteipräsidenten am Wahlsonntag – eher düster. CVP-Präsident
Christophe Darbellay mochte sich partout nicht zur Konkordanz zu bekennen. BDP-Präsident
Hans Grunder fabrizierte Worthülsen über „konstruktive Kräfte“, währenddem er
seine eigene konstruktive Kraft offenbarte durch penetrante Schadenfreude gegenüber
der SVP. Arroganz der Macht ist offenbar selbst mit bloss 5%-Wähleranteil möglich.
Fakt
muss sein: Massstab für den Sitzanspruch der Parteien im Bundesrat sind einzig deren
Sitze im Parlament. Basta. Wer andere Komponenten in die Wahl einfliessen
lassen will, denkt bereits in Schemen einer Koalitionsregierung nach
ausländischem Muster.
Fakt
ist leider auch: Solange der Bundesrat von 246 Politikern gewählt wird, besteht
bei jeder Wahl das Risiko von Intrigen und Machtspielen. Der Stimmbürger kann bloss
hoffen, dass das Parlament den Wählerwillen respektiert. Schutz vor parlamentarischer
Willkür schafft auf Dauer nur eine Lösung: Die Volkswahl des Bundesrates.
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