>>zurück zu den Kolumnen
Honecker lebt!


Am 16. April 2010 wurde an dieser Stelle vor dem neuen Parteiprogramm der SP Schweiz als Ausflug in die politische Steinzeit gewarnt. Am 30. Oktober 2010 haben die Genossen ihr Parteiprogramm nun definitiv verabschiedet. Die schlimmsten Befürchtungen wurden übertroffen.

Leitstern der SP ist neu der „demokratische Sozialismus“. Bekräftigt wurde auch die Forderung nach einer „Überwindung des Kapitalismus“. Man fühlt sich wie in der DDR. Schon Erich Honecker propagierte einen demokratischen Sozialismus. Bei Lichte besehen ein rhetorisches Täuschungsmanöver: Entweder ist eine Nation demokratisch, oder sie ist sozialistisch. Kein einziger Versuch eines so genannten demokratischen Sozialismus hätte in der Realität je zu mehr Demokratie geführt. Im Gegenteil: Am Schluss war es immer die Bürokratie oder die Partei, welche die Wirtschaft unter ihre Fuchtel nahm und schliesslich Macht nicht nur über die Politik, sondern auch über die Wirtschaft hatte. Die Folge dieser Machtballung war dann nicht etwa ein zivilisierter Kapitalismus; sondern es waren und sind die Erich Honeckers, Kim Jong Ils oder Hugo Chávez´ dieser Welt, die eigene Bürger beim Auswandern erschiessen liessen, Betriebe enteignen und Oppositionelle unterdrücken. Wo ein System durch die Kollektivierung sämtlichen Lebens staatliche Allmacht fördert, folgen Gulag, Genozid und Gaskammer.

Im neuen Parteiprogramm der SP Schweiz ist Erich Honecker wieder zum Leben erwacht. Die SP hat damit in die Wege geleitet, was nach dem Jahr 2007 niemand mehr für möglich gehalten hätte: Eine nochmalige Wahlniederlage. Denn das Schweizervolk will Demokratie und Freiheit, nicht Sozialismus. Da hilft den Genossen auch nicht mehr, wenn sie mit Plakaten gegen Grossverdiener wie Daniel Vasella oder Oswald Grübel an die niederen Neidinstinkte ihrer verbliebenen Wähler appellieren. Längst ist die Masche durchschaut: Die Wählerschaft der SP besteht heute aus Kultur- und Medienschaffenden und gut entlöhnten Staatsangestellten, allesamt Teil der soziokulturellen Elite. Die SP ist zur Partei der Besserverdienenden geworden. Die traditionellen SP-Wähler, die „Büezer“, wählen heute zunehmend konservativ aus Sorge über die Überfremdung des Landes. Ein Thema, das den Weg an die Schreibtische und Kaviar-Soirées der Neulinken noch nicht gefunden hat. Der Einsatz für soziale Gerechtigkeit der heutigen Linken wirkt wie eine Wein-Beurteilung durch das blaue Kreuz.

In Deutschland gibt es eine Partei mit einem ähnlichen Programm wie die SP Schweiz: „Die Linke“. Auch sie propagiert einen demokratischen Sozialismus. In Deutschland wird „die Linke“ deshalb vom Verfassungsschutz beobachtet, da sie elementare Werte einer freien Gesellschaft (Eigentum, Marktwirtschaft) abschaffen will. Die SP Schweiz derweil ist Teil unserer Landesregierung.


hinauf