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Herzlich klebrig


„Für eine weltoffene Schweiz mit Herz“ – Unter diesem Motto ging am 30. Juli in Bern ein  Openair-Konzert über die Bühne. Rund 20´000 Besucher feierten mit.

Die Liste der Trägerschaft liest sich fast wie ein „who is who“ der hiesigen soziokulturellen Elite: Caritas Schweiz, Schweizerische Flüchtlingshilfe, Schweizerisches Arbeiterhilfswerk und – wie erstaunlich – SP und CVP Schweiz. Ein netter Publicity-Akt. „Politainment“ nennt sich dies. Die Grenzen zwischen Politik und Unterhaltung verschwinden.

Für Teenager sind solche Events mit politischen „Feel good“-Botschaften eine willkommene Gelegenheit. Man geht nicht mehr einfach nur in den Ausgang. Man engagiert sich politisch, für einen guten Zweck. Welcher Vater oder welche Mutter hat noch etwas zu meckern, wenn die Kinder für Weltoffenheit einen drauf machen?

Um eine gute Stimmung zu erzeugen, verpflichteten die Organisatoren verschiedene bekannte und weniger bekannte „Künstler“, etwa den Rapper Greis. Vorerst ein Hinweis auf dessen Persönlichkeitsprofil: Auf die Frage, was er nicht mag, gibt er u.a. an: Bescheidenheit, konstruktive Kritik, Protestantismus, Parteizeitungen wie die Weltwoche oder die Schweizerzeit. Der Rapper durfte zudem den Förderpreis der Anne-Frank-Stiftung gegen Rassismus und Diskriminierung entgegennehmen.

Die Begriffe „herzlich“ und „weltoffen“ scheinen offenbar dehnbar zu sein, wie Greis zeigt. Ein Auszug aus seinem Stück „Teil vo der Lösig“ (ist auch auf der offiziellen Openair-CD): „Will ich wach wird, will ich n'ech in Arsch tritt und kämpf“. Weltoffen scheint Greis auch nur so lange zu sein, wie die eigene Gedankenwelt im realitätsfreien Vakuum ungestört bleibt („fick eure Kampf vo dä Kulture“). Letztes Jahr war übrigens der Rapper Stress „Special Guest“ in Bern. Auch dessen Texte (z.B. „Fuck Blocher“) sind nicht überaus herzlich.

Herzlich oberflächlich waren dann die politischen Intermezzos zwischen der „Musik“. Christophe Darbellay forderte von den Anderen Toleranz und Respekt ein. Derweil er vor einigen Monaten die grösste politische Minderheit im Land aus dem Bundesrat hinaus intrigierte. Selbst nimmt es Darbellay mit Toleranz und Respekt nicht allzu genau.

Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät wiederum forderte dazu auf, Integration im Alltag zu leben. Während er aus seinem links-grünen Biotop Bern reihenweise Steuerzahler vertreibt, statt sie mit liberaler Finanzpolitik zu integrieren.

„Für eine Schweiz mit Herz“ – Das Herz allerdings besteht aus Gelatine: So klebrig und schwammig, dass es einem beim Anfassen durch die Hände entgleitet und man am Schluss vor Ekel nur noch möglichst schnell die Hände waschen will.


hinauf