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Im aufkommenden Wahlkampf verlieren
Kandidaten gelegentlich die Bodenhaftung. So belehrt uns eine Kandidatin auf
dem Internetblog der Grünen, für die SVP gelte die Bezeichnung „Feinde der
Zivilisation“.
Während sich das Niveau des grünen
Wahlkampfs bereits im August dem Nullpunkt zuwendet, wird dem Medienkonsumenten
gelegentlich auch Ernsthaftes in Erinnerung gerufen: Am 13. August 2011 jährte
sich nämlich zum 50. Mal eines der unrühmlichsten Kapitel europäischer
Geschichte: Der Bau der Berliner Mauer – die Bezeichnung „Feind der
Zivilisation“ wäre hier angemessen: Als Reaktion auf die massive Auswanderung
aus der DDR in die freie Welt reagierte die sozialistische DDR-Regierung im
August 1961, wie sozialistische Regierungen immer reagieren: Mit Zwang. Eine
Mauer sollte die Ostdeutschen im DDR-Gefängnis halten. Um jede
Fluchtmöglichkeit zu unterbinden, stellten Ulbricht und seine Schergen
Mauerschützen auf: Feuer frei auf die Freunde der Freiheit.
Der Westen reagierte vor 50 Jahren
auffallend zurückhaltend auf den Mauerbau. „Alles ist besser als ein Krieg“,
erklärte seinerzeit US-Präsident John F. Kennedy. Erst der spätere konservative
US-Präsident Ronald Reagan änderte den Mainstream westlicher Aussenpolitik.
„Mr. Gorbatschow, reissen Sie diese Mauer nieder“ rief Reagan dem Sowjetführer
zu. Die Zeiten des Appeasements waren vorbei.
Die einheimische Linke dagegen – sonst
stets bemüht, alle anderen an humanitäre Verpflichtungen im Asylrecht zu
erinnern – reagierte auf ihre eigene Weise auf die menschenverachtenden
Praktiken der DDR. Im Juli 1982 traf sich der damalige SP-Präsident Helmut
Hubacher mit DDR-Generalsekretär Erich Honecker zum „freundschaftlichen
Meinungsaustausch“. Noch im September 1989, wenige Wochen vor dem Mauerfall,
gratulierte die SP Schweiz Honecker offiziell zum 40. Geburtstag der DDR.
Bezeichnend sind auch die Worte des ehemaligen SP-Nationalrates Peter Vollmer
anlässlich seines DDR-Besuches: „Als
Vertreter der SPS und als Gast an eurem Parteitag bin ich aber auch
beeindruckt, zu sehen und zu spüren, wie die Menschen hier in diesem Land für
Frieden und Gerechtigkeit eintreten und wie sie mit ganz konkreter Arbeit einen
Beitrag für eine menschengerechtere Welt und Gesellschaft leisten.“
So richtig loslösen vom Geiste der
DDR mögen sich die Schweizer Sozialdemokraten offenbar auch mehr als 20 Jahre
nach dem Mauerfall noch nicht. So fordert das aktuelle Parteiprogramm der SP
Schweiz immer noch die „Überwindung des Kapitalismus“ und einen „demokratischen
Sozialismus“.
Der Sozialismus ist der Feind jeder
Zivilisation. Ob er nun in brauner oder roter Gestalt daher kommt; und auch
dann, wenn er sich ein demokratisches Feigenblatt vorhält.
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