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Direkte Demokratie und ihre Feinde


Direkte Demokratie schützt die Regierten vor den Regierenden. Im 19. Jahrhundert hatte die damals oppositionelle Linke noch Vertrauen in die direkte Demokratie. Arbeiterführer und Frühsozialist Karl Bürkli proklamierte 1869 im O-Ton: „Das Volk wird in der Freiheit den rechten Weg zur sozialen Erlösung schon instinktmässig fühlen, eben weil es die Leiden tagtäglich empfindet.“

Inzwischen ist die Linke fester Bestandteil des helvetischen Machtkartells geworden: Bundesverwaltung, Asylindustrie, Staatsfernsehen, Post und SBB sind sozialdemokratische Hochburgen. Entsprechend ändert sich das Verhältnis zur direkten Demokratie: Menschenverstand, Instinkt, Lebenserfahrung und Elitenskepsis des Volkes zählen plötzlich nicht mehr so viel. Die direkte Demokratie wird zur Bedrohung der lieb gewordenen Macht.

Hilfsmittel zum politischen Selbsterhalt der Mächtigen gegen das eigene Volk wird zusehends das Völkerrecht. Geradezu inflationär pochen Politiker und Professoren auf die hohen internationalen Paragraphen: Sei es, um Volksinitiativen noch vor der Abstimmung für ungültig erklären zu können. Sei es, um unliebsame Volksentscheide auf dem Umweg vor fremden Richtern aushebeln zu können. Gegen die Antiminarett-Initiative sind die Klagen vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bereits deponiert. Namhafte Ständeräte wie Theo Maissen, Eugen David (beide CVP) und Simonetta Sommaruga (SP) plädierten dafür, auch die Ausschaffungsinitiative wegen angeblicher Verletzung von zwingendem Völkerrecht für ungültig zu erklären. Zuerst untherapierbare Sexual- und Gewaltstraftäter (Verwahrungsinitiative), jetzt die Speerspitzen der Islamisierung und demnächst vielleicht ausländische Schwerkriminelle und Sozialbetrüger: Das Völkerrecht droht zum Schutzschild für Kapitalverbrecher und Integrationsverweigerer zu werden.

Nach der Machtergreifung der Linken haben die Konservativen die Verteidigung der Rechte des Volkes gegenüber den Eliten übernommen. Der amerikanische konservative Vordenker Irving Kristol nannte es 1983 seine vornehmste Aufgabe „dem amerikanischen Volk zu erklären, warum es Recht hat, und den Intellektuellen, warum sie irren.“

Links-Grün stattdessen scheint es als seine vornehmste Aufgabe zu erachten, dem schweizerischen Volk zu erklären, warum es irrt, und den Intellektuellen, warum sie Recht haben. Eigentlich nachvollziehbar: Die meisten Intellektuellen leben vom Staat, als Professoren, Kulturschaffende, soziokulturelle Animatoren etc. Die Linke kämpft fleissig für zusätzliche Steuern und Gebühren, was die staatliche Umverteilungsindustrie mit neuer Liquidität ölt. Intellektuelle danken es ihr mit politischem Tribut in Form von „wissenschaftlicher“ Untermauerung linker Sozialromantik. Welch produktive Symbiosen doch der menschliche Selbsterhaltungstrieb ermöglicht.


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