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Che Guevara bei den SBB


Der Einsatz von Kindersoldaten wird international geächtet. Zum Glück. Der Einsatz von Kinder-Parteisoldaten jedoch ist ein beliebtes und akzeptiertes Mittel, um politischen Forderungen Gewicht zu verleihen.

Das wussten auch die Organisatoren der SBB Cargo-Demonstration von vergangener Woche. 5000 Personen waren dem Demo-Aufruf der Gewerkschaften gefolgt. An vorderster Front marschierten Kinder der Arbeiter und hielten Transparente mit der Aufschrift «Hände weg von unseren Vätern». Marketing auf höchstem Niveau.

Die Ökonomie der Gefühle schien zu wirken. Zumindest bei einigen Medien. Die «BernerZeitung» (BZ) schwärmte über «südländische menschliche Wärme» und «leidenschaftliche politische Parolen, die Solidarität und Menschenwürde buchhalterischem Kalkül und ökonomischer Logik entgegenstellen». Dem nüchternen Betrachter stellt sich dabei die Frage: Hat die gut geölte gewerkschaftliche Kampfmaschinerie wirklich mehr mit Leidenschaft und Solidarität als mit ökonomischer Logik zu tun? Aber Gefühlsökonomie ist halt leserfreundlicher.

Noch etwas fragwürdiger waren einige der Fahnen an der Demo. Etwa diejenige mit dem Wappen der Sowjetunion oder eine andere mit dem Gesicht des Massenmörders Che Guevara. Dazu in der BZ liebevoll: «Schade, konnte Che Guevara das nicht selber hören (…).»

Wie wäre es wohl angekommen, wenn im BZ-Artikel ein politisch weniger salonfähiger Massenmörder zu Hilfe gezogen worden wäre? Z.B.: «Schade, konnte Benito Mussolini das nicht selber hören…» oder ähnlich.

Auch die Politik will sich ein Scheibchen der Gefühlsökonomie abschneiden. Die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr wittert Wählerpotential: «Wir stehen auf der Seite der Angestellten und der betroffenen Regionen»; und beklagt sich über das «Geschwätz der Privatisierer und Liberalisierer». Die Worte der Sozialdemokratin sind etwas gar selbstbewusst gewählt. Denn massgebliche Mitverantwortliche des SBB Cargo-Fiaskos wie Benedikt Weibel, Moritz Leuenberger und Daniel Nordmann gehören allesamt zum service-public-Filz der SP.

Die Saläre von Weibel (729 000 Franken) und Nordmann (560 000 Franken) liegen übrigens zumindest an der kritischen Grenze, um im SP-Slang als Abzocker zu gelten. Beide geniessen aber bei den Genossen nach wie vor Artenschutz.

Der Verlust der SBB Cargo im Geschäftsjahr 2007 betrug 190,4 Millionen Franken. Da stellt sich zum Schluss eigentlich nur noch eine Frage: Wann endlich wird es eine Demonstration mit 5000 oder mehr Teilnehmern geben, an der die Teilnehmer ihre Solidarität ausdrücken mit dem Steuerzahler, der immer brav zu bezahlen hat, wenn andere Millionendefizite generieren?


hinauf