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Im Jahr 2005 war die Schweizer Bankenwelt
noch in Ordnung. Der Bundesrat rühmte sich im Abstimmungsbüchlein zum Schengen-Abkommen:
„In den Schengen-Verhandlungen konnte das Bankgeheimnis bei den direkten
Steuern (Einkommens- und Vermögenssteuer) vertraglich abgesichert werden.“ Ja,
völkerrechtlich! Nicht nur mit Bünzli-Bundesrecht! Endlich war das
Bankkundengeheimnis gesichert. Mit juristischem Platin!
Noch im Jahr 2008 verkündete Bundesrat Hans-Rudolf
Merz: „Das Bankgeheimnis steht nicht zur Disposition. Wer uns zwingen will, es
abzuschaffen, wird sich daran die Zähne ausbeissen.“
Wie die Geschichte ausging, ist bekannt:
Nach einigem Druck aus Washington, Brüssel und Berlin beschloss der Bundesrat,
auch bei Steuerhinterziehung Amtshilfe zu leisten. Der bilaterale Platintiger wurde
zum Papiertiger; und die Aussage von Merz zum tragisch-komischen Scherz.
Die EU kann sich freuen: Amtshilfe auf
Anfrage bei vermuteter Hinterziehung direkter Steuern. Gar kein Bankkundengeheimnis
mehr bei indirekten Steuern (das war der Preis für die Bankkundengeheimnis-Garantie
der EU im Jahr 2005); und dann spielt die Schweiz aufgrund des
Zinsbesteuerungsabkommens auch noch Steuereintreiber für die EU.
Freuen darf sich auch der deutsche Finanzminister
Peer Steinbrück. Mit Peitsche und Polemik hat er tatkräftig mitgeholfen, die
Steueroasen-Indianer in Europa auszurotten. Im heiligen Krieg gegen angeblich dubiose
Steueroasen (und für neue Steuereinnahmequellen) ist Privatsphäre Nebensache
SPD-Steinbrück
weiss übrigens, wovon er bei dubiosem Gebaren spricht. Aus eigener Erfahrung:
Während seiner Zeit als Finanzminister und später als Ministerpräsident des
deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen wurden in den Jahren 2001 und 2002 Budgets
abgesegnet, die nach Auffassung des Landesverfassungsgerichts verfassungswidrig
waren.
Ein kleines Dankeschön
von Steinbrück wäre vielleicht angebracht an seine Schweizer
Erfüllungsgehilfen: An die SP und die Grünen, die das Bankkundengeheimnis schon
lange auf dem Kieker hatten. An die Finanzmarktaufsichtsbehörde (Finma), die 300
Daten von UBS-Kunden an die USA weitergeleitet (nach Ansicht des
Bundesverwaltungsgerichtes teilweise unrechtmässig) und damit dieses Kapitel
der Kapitulation eröffnet hat. An den Bundesrat, der diesen ganzen
Wirtschaftskrieg von der politischen Zuschauertribüne aus verfolgt hat. Schliesslich
insbesondere an Aussenministerin Micheline Calmy-Rey, die der OECD für deren
ruppiges Vorgehen gegen die Schweiz sogar noch danken wollte.
Vielleicht hätte
unser Parlament in den letzten Jahren nicht immer wieder Personen ins
Bundesratsamt hieven sollen, die in der Schweiz mit Anbiederung Karriere
gemacht haben. In einem Wirtschaftskrieg wären andere Qualitäten als
Harmoniesucht gefragt.
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