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Die
Forderung nach Stimmrecht 16 ist derzeit trendy. Im Kanton Glarus, traditionell
eine konservative Polit-Bastion, können in Zukunft 16- Jährige auf kantonaler
und kommunaler Ebene abstimmen und wählen. Im Kanton Bern ist ein
entsprechender Vorstoss hängig und Österreich will als erster Staat landesweit
Stimmrecht 16 einführen. Die Idee ist ja auch sympathisch in einer Zeit, wo
Jugendfreundlichkeit ein wirksames Marketing-Instrument von Politik und
Wirtschaft darstellt.
Die
Schweizer Rechtsordnung handhabt die Mündigkeitsgrenze bei 18 Jahren bisher
konsequent. Ab 18 erhält ein Jugendlicher alle Rechte eines erwachsenen
Menschen, aber auch die entsprechenden Pflichten: Ab 18 Jahren kann man einerseits
(endlich) mit dem Autofahren beginnen und ohne gesetzliche Schranken Verträge
abschliessen. Andererseits fallen aber auch die Privilegien weg, welche die
Rechtsordnung für Minderjährige aufstellt (eingeschränkte Haftung für
Pflichten, Jugendstrafgesetz etc.). Folgerichtig liegt auch das
Stimmrechtsalter bei 18 Jahren. Diese Stimmrechtsgrenze macht durchaus Sinn. In
der Zeit zwischen 16 und 18 Jahren vollziehen Jugendliche entscheidende
Schritte zur beruflichen wie auch sozialen Eingliederung in die Gesellschaft
und sammeln wertvolle Lebenserfahrungen. Mit 18 Jahren können sie diese
Erfahrungen auch einsetzen, um politische Sachverhalte besser beurteilen zu
können.
Die
Attraktivität der Glarner Lösung muss ohnehin relativiert werden. Jugendliche können
zwar in Zukunft ab 16 Jahren stimmen und wählen, aber für ein politisches Amt
bewerben dürfen sie sich erst ab 18 Jahren. Für politisch interessierte
Jugendliche wäre aber gerade das passive Wahlrecht wichtig. Im Übrigen gilt das
Stimmrecht 16, sofern es nicht schweizweit verankert wird, ohnehin nur für
kantonale und kommunale Angelegenheiten. Reizvoll für die Jugend sind aber in
der Regel eidgenössische Polit-Fragen.
Das
Interesse der Jugend an der Politik zu wecken, sollte uns allen wichtig sein. Allein
dadurch, dass man ca. 4x pro Jahr ein Stimmcouvert im Briefkasten hat, erhöht
sich das politische Interesse der Jugend aber kaum. Ansonsten müsste dieses
Interesse bereits heute ab 18 Jahren sprunghaft ansteigen, was nicht der Fall
ist. Die Motivation Jugendlicher für die Politik ist vielmehr Sache der
politischen Parteien, insbesondere der Jungparteien. Diese bieten bereits heute
eine interessante und vielfältige Plattform für politisches Engagement.
Dasselbe gilt für die laufend zunehmenden Diskussionsforen im Internet (Blogs),
wo sich insbesondere Jugendliche die Polit-Klinge kreuzen.
Rechte und
Pflichten sollten Hand in Hand gehen: Stimmrecht 18 ist deshalb als konsequente
und bewährte Grenze beizubehalten.
Apropos: Wenn
man schon jugendfreundlich sein will und das Stimmrechtsalter senkt, so sollte
man doch auch gleich den Jugendlichen die Möglichkeit geben, mit 16 Autofahren
zu können. Denn nicht selten ist das Autofahren für einen jungen Mitbürger
wichtiger als das Abstimmen. Man darf gespannt sein, wie konsequent die
Befürworter von Stimmrecht 16 bereit sind, jugendfreundlich zu sein…
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