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Micheline Calmy reist. Am 7. November traf sie in Neu Dehli die indische Präsidentin Pratibha Devisingh Patil. Am 9. November hatte sie ein Rendez-vous mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin und dessen Aussenminister Sergej Lawrow. Am 15. November ging´s dann nach Paris zu Nicolas Sarkozy. Am 30. Oktober kam übrigens noch Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva nach Zürich, um mit unserer Bundespräsidentin zu plaudern.
Während Calmy-Rey mit Händeschütteln mit den Mächtigsten dieser Welt beschäftigt ist, wundert sich der einheimische kritische Zeitungsleser. Wie viel Kerosin wird da eigentlich verbraucht bei einem Flug Moskau retour oder Neu Dehli retour? Wieviel CO2 wird ausgestossen? (Denn man darf davon ausgehen, dass unsere Aussenministerin nicht mit dem Velo gereist ist).
Alles Fragen, die sich der moderne Öko-Spiesser von heute nicht stellt. Die Klimakatastrophe beginnt hier erst, wenn das Gewerbe oder Bürger ohne Mandate etwas vom heutigen Wohlstand profitieren möchten. Solange smarte Karrierefrauen für den Weltfrieden rund um den Globus jetten, wird von Hysterie auf Realitätsverdrängung umgeschaltet.
Linke Politik zeichnete sich noch nie dadurch aus, frei von Doppelzüngigkeit zu sein. Denn schuld sind immer die Anderen. Der Grundsatz „wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ steht eben nur in der Bibel und nicht in der Standardliteratur für die soziokulturelle Elite. Heute ist deshalb alles erlaubt: Man darf Stammgast an jedem Cüpli-Apéro sein und beim Small-Talk den ungleich verteilten Luxus im Kapitalismus kritisieren. Man darf den Anderen Multikulturalismus aufbürden, aber seine eigenen Kinder nicht in Schulklassen mit 50% Ausländeranteil schicken und schon gar nicht in demselben Quartier wie all die unqualifizierten Arbeiter wohnen, deren Einwanderung man zuvor in den Ratssälen zum Menschenrecht gemacht hat. Man darf von den Anderen bei jeder Gelegenheit Toleranz einfordern und ihnen gleichzeitig mit dem Strafrecht drohen, wenn sie politisch-korrekte Tabus zu hinterfragen wagen.
Und so werden Micheline Calmys Reisli auch weiterhin ihre Agenda führen, während das einheimische Gewerbe für die Reisespesen aufkommen darf. Und zum Dank gleich noch als Sinnbild der Umweltverschmutzung hinhalten muss, wenn die Linke ein Feindbild für ihre Klima-Initiative sucht. „Die Schweiz als reiches Industrieland muss solidarisch einen eigenen Beitrag zur Lösung des Klimaproblems leisten“, ist im Argumentarium zur Klima-Initiative zu lesen. Fordern war noch immer einfach, wenn die Andern verpflichtet werden. So funktioniert die gelebte sozialdemokratische Solidarität von heute.
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