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Schneller - höher - weiter


Der Sensationszwang moderner Gesellschaften scheint auch vor der Schweiz keinen Halt mehr zu machen. Schneller – höher – weiter: Es gibt keine Grenzen mehr.

Das Schweizer Fernsehen hat sich in diesem Sinne nun auch der „Quotenrennerpolitik“ verpflichtet und mit „MusicStar“ das Synonym zu „Deutschland sucht den Superstar“ eingeführt. Man darf sich freuen: Bald können Schweizer Küblböcks und Dieter Bohlens  ihr Talent vor dem Bildschirm demonstrieren. Leider scheint unser Staatsfernsehen zu vergessen, auf wessen Kosten ihre „Quotenrennerpolitik“ geht: Der Ehrgeiz von Kindern wird fürs Geschäft missbraucht. Ja, das ist service public pur: Anspruchsvolles Programm für die ganze Bevölkerung, viel besser und zeitgemässer als so etwas Langweiliges wie Schweizer Geschichte. Letzteres wäre ja nationalistisch, rückwärtsgewannt, eventuell nicht EU-kompatibel und würde gar die Integration unserer ausländischen Mitbürger in Frage stellen.

Auch die Politiker scheinen keine Grenzen mehr zu kennen: Micheline Calmy-Rey ist sich für keine Mission zu schade, auch wenn dafür im Nahen Osten Schweizer Fahnen verbrannt werden. Schon gar nicht zu schade ist sie sich für die Anerkennung einiger Diplomaten und der Ringier-Presse. Dasselbe gilt für die omnipräsente, neugewählte FDP-Nationalrätin Christa Markwalder. Unermüdlich steht sie im Dienste der Öffentlichkeit, oder besser gesagt vor den Kameras: Sei es zum Thema Bundesratswahlen oder wenn sie gerade an einer Frauendemo mitmacht. Auch zum Thema Organspende oder jüngst nach der Avanti-Abstimmung gab sie ihren obligatorischen TV-Beitrag. Da könnte sogar Silvio Berlusconi noch etwas lernen. Der kommt mit Staats- und eigenen Privatsendern nicht immer auf soviel Medienpräsenz.

Damit nicht genug: Ein geradezu sportlicher Drang nach Höchstleistungen in  immer sensationelleren Disziplinen etabliert sich in der Sozialpolitik. Der neuste Hit: Extrem – IV – Beziehen: Zwei Menschen, am besten Ausländer, missbrauchen die IV um die Wette. Wer gewinnt, erhält eine IV-Rente und muss nicht mehr arbeiten. Denn mit Ergänzungsleistungen und IV zusammen bekommen diese „Sportler“ schon ein ahnsehnliches Einkommen. Derweil beweist sich Beatrice Breitenmoser, die höchste IV-Instanz im Lande, laufend erfolgreich in einer anderen Disziplin: Extrem-Todschweigen sozialpolitischer Probleme.

Ja, das ist unsere moderne Gesellschaft: Schneller – höher – weiter. Am besten ins Fiasko.

 


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