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Alle Jahre wieder: Die „high
society“ der Schweiz versammelt sich in Zürich, um sich selbst zu feiern. Nach
mehr oder minder nebulösen Kriterien ausgewählt, dürfen einige einen Pokal
entgegennehmen. Einer unter diesen wird dann „Schweizer des Jahres“. Diesen Anlass,
vor allem eine willkommene Profilierungsgelegenheit selbstverliebter VIP´s,
nennt man dann modern „Swiss Award“. Das Staatsfernsehen SF DRS schliesslich
überträgt das Meeting, live versteht sich: Zwangsgebührenfinanzierte
Massenbelustigung bzw. -belästigung, je nach Sichtweise.
Man wird den Eindruck nicht los,
dass der Anlass reine Fassade ohne Hintergrund ist. Vor laufenden Kameras zeigt
man ein bisschen Toleranz hier (Ja zu Multi-Kulti), ein wenig Weltfrieden dort
(Singen für Frieden im Nahost) und dazwischen noch ein paar Showeinlagen. Hauptsache
man ist Gutmensch. Chance auf einen Preis hatte selbstverständlich nur, wer
politisch korrekt denkt. Franco Cavalli – bekennender Marxist – durfte eine
Ehrung entgegennehmen. Von der SVP nominiert war nur Peter Spuhler – dank
seines Einsatzes für die Ost-Personenfreizügigkeit.
Der Trend solcher Sendungen ist
symptomatisch für die Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft. In einer Zeit, wo
sämtliche Werte und Traditionen entwertet und zu Tode relativiert werden, haben
Ersatzreligionen Hochkultur: Der Konsumkult, der Esoterikboom oder eben oberflächliche
Heroisierungen einzelner Menschen. Der bekannte deutsche Journalist Peter Hahne
schrieb in seinem Buch „Schluss mit lustig – das Ende der Spassgesellschaft“
über unsere Gesellschaft: „Dann wird offenbar, dass hinter dem Blattgold der
Scheinwelt nichts Echtes steckt.“
Ein staatliches Fernsehmonopol
wie in der Schweiz ist in der heutigen Informationsgesellschaft eine
gefährliche Machtballung. Mit Sendungen wie dem Swiss Award kann die Elite dieses
Machtmonopol instrumentalisieren und letztlich – kaschiert in süffiger
Unterhaltung – auch ihre Macht zementieren. Die Rechtfertigung des staatlichen
Fernsehmonopols liegt – wenn überhaupt – darin, dass es den Auftrag zur
sachgerechten Information über eine „ausgewogene Programmgestaltung“ (Art. 26 Abs.
2 des Bundesgesetzes über Radio und Fernsehen RTVG) zwecks freier
Meinungsbildung besser wahrnehmen könne. Dagegen wirkt die tatsächliche, zum
Teil unverhohlen einseitige und tendenziöse Berichterstattung einzelner
Sendungen (z.B. 10vor10, Sternstunden) zum gesetzlichen Informationsauftrag wie
ein Hohn.
Den Schweizern ist die laufende,
pompöse Selbstglorifizierung ihrer Eliten, verglichen mit anderen Staaten,
bisher weitgehend erspart geblieben. Einrichtungen wie die direkte Demokratie
und das Milizparlament sowie unsere republikanische Tradition zwangen die Eliten
zur Bürgernähe. Absolutistische Selbstdarstellungen eines Louis XIV sind uns
ebenso unbekannt wie die blind obrigkeitsgläubige wilhelminische Gesellschaft
Deutschlands vor dem 1. Weltkrieg. Heute müssen wir erleben, wie sich die
Schweiz auch in diesem Punkt leider immer mehr dem Ausland anpasst.
Der Titel „Schweizer des Jahres“ bedeutet,
dass eine bestimmte Tätigkeit mehr Wert hat als andere, „gewöhnliche“
Verdienste. Darin liegt eine Geringschätzung bürgerlicher Tugenden. Denn wann
werden einmal all diejenigen geehrt, die täglich arbeiten, ihre Familie
ernähren und sich ehrenamtlich in einem Verein engagieren? Auch Leute ohne berühmte
Namen leisten ehrenhafte Arbeit, und finanzieren mit ihren Zwangsgebühren das
Staatsfernsehen. Schon aus diesem Grund hätten auch sie einmal eine Ehrerbietung
verdient.
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