|
WikiLeaks sei Dank:
Jetzt weiss die ganze Welt, was in der Schweiz schon jeder wusste, wenn er es
denn wissen wollte: Aussenministerin Micheline Calmy-Rey leidet an einer
Profilierungsneurose.
Die Online-Plattform
WikiLeaks hat ebenso vertrauliche wie brisante Aussagen über unsere Aussenministerin
veröffentlicht. Zitiert wird namentlich der ehemalige US-Botschafter in der
Schweiz, Peter Coneway: Calmy-Rey habe mit ihrem Vorpreschen in den
Atomverhandlungen mit dem Iran die „internationalen Anstrengungen behindert“.
Im Vermittlungsvorschlag habe sie „offensichtlich eine Chance gesehen, ihr
eigenes Profil zu stärken“. Noch deutlicher wird Velia De Pirro von der
US-Mission in Genf: Calmy-Rey sehe die Schweiz selbst dann noch „als
Vermittler, selbst wenn offensichtlich nichts zu vermitteln ist“.
Wir erinnern uns: SP-Aussenministerin
Calmy-Rey wollte Teheran im Jahr 2007 mit dem „Swiss Paper“ verpflichten, keine
weiteren Uran-Zentrifugen in Betrieb zu nehmen. Im Gegenzug hätten keine
weiteren Sanktionen mehr gegen den Iran verhängt werden sollen.
Es ist nicht das einzige
Fettnäpfchen in Calmy-Reys Nahostpolitik. Im März 2008 reiste die Schweizer
Aussenministerin höchstpersönlich in den Iran. Ihre Präsenz sollte mithelfen,
dass ein Gasliefervertrag zwischen der Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg
und der iranischen Gasexport-Gesellschaft
unterzeichnet wird. Während die westliche Welt Irans Aufstieg zur Atommacht zu
verhindern und Mahmud Ahmadinedschad aussenpolitisch zu isolieren versucht,
verschafft ausgerechnet die Schweiz jenem persischen Hitler neue Legitimität.
Zur Erinnerung: Ahmadinedschad ist jener Politiker, der Israel von der
Landkarte verschwunden haben will.
Die Vorwürfe aus US-Kreisen
haben für unser Land besonderes Gewicht: Seit 1980 nimmt die Schweiz die konsularischen
und diplomatischen Interessen der USA im Iran wahr. Der Schweiz wurde diese
Aufgabe übertragen, weil sie als neutraler Staat eine hohe Glaubwürdigkeit
geniesst. Nun meldet ein besorgter Peter Coneway aus der Schweizer US-Botschaft
an sein Land, dass die Schweiz internationale Anstrengungen sabotiere. Offenbar
nimmt die Schweiz also ihre Aufgabe als Vermittlerin im Konflikt zwischen den
USA und dem Iran nicht mehr wahr. Die Schweiz verspielt durch solchen
aussenpolitischen Aktivismus ihre Glaubwürdigkeit als neutraler Vermittler.
Ebenso unglücklich agiert
unsere Aussenministerin bei anderen aussenpolitischen Grossbaustellen: Der
Bundesrat anerkannte auf Calmy-Reys Wirken hin den Kosovo als unabhängigen
Staat. Der Kosovo ist heute nach Angaben des US-Aussenministeriums
zusammen mit den angrenzenden Regionen eine der wichtigsten europäischen Drogentransitrouten
für Heroin aus Afghanistan nach Westeuropa. Der Staat ist mafiös unterwandert. Die
Korruption blüht. Der amtierende Präsident des Kosovo, Hashim Thaci, ist
derweil mit happigen Vorwürfen konfrontiert: Laut einem Bericht des Schweizer
Europarats-Abgeordneten Dick Marty ist der
ehemalige Führer der
Rebellenarmee UCK mitverantwortlich für Drogen- und
Waffenhandel, Folter, Organhandel und Auftragsmorde. Keine guten
Voraussetzungen für einen unabhängigen „Staat“ Kosovo. Ganz abgesehen davon,
dass die Schweiz mit ihrer überhasteten Anerkennung des Kosovo insbesondere
Serbien vor den Kopf gestossen hat.
Im Nahost-Konflikt andererseits
erscheint Calmy-Reys Politik primär als eine Abfolge von nicht ausgelassenen
Fettnäpfchen. Immer wieder stellt sie einseitig Israel an den Pranger. Schon
des Öfteren wurde Calmy-Reys neutralitätswidrige Politik deshalb von
israelischer Seite her gerügt.
Auch sonst macht Calmy-Rey
derzeit eine schlechte Figur: Da war Calmy-Reys Kompetenzüberschreitung in der
Libyen-Krise; da war ihre Polemik am Parteitag der SP, als sie ihre
Bundesratskollegen als Marionetten der Wirtschaftsverbände hinstellte.
Die Neutralität hat in
der Schweiz Verfassungsrang (Art. 173 und Art. 185 BV). Ebenso das
Kollegialitätsprinzip (Art. 177 BV). Christoph Blocher wurde als Bundesrat abgewählt,
weil man ihm angebliche Verstösse gegen das Kollegialitätsprinzip vorwarf.
Calmy-Rey stattdessen wurde von ebendiesem Parlament zur Bundespräsidentin
gewählt. Es wird Zeit, dass der Bundesrat durch das Volk gewählt wird.
|