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Und wieder einmal geht die Welt unter


Was hat Meinungsvielfalt in Nordkorea mit derjenigen in Westeuropa gemeinsam? Zumindest beim Thema Klimawandel recht viel. Nachdem der vierte IPCC-Bericht der UNO publiziert worden ist, gibt es kein Halten mehr: Die Apologeten des Weltuntergangs üben sich in der gegenseitigen Übertrumpfung mit Superlativen: „Schmelzen der Polkappen“ „Versiegen des Golfstromes“, „Anstieg des Meeresspiegels um über 70 Meter“ und natürlich „Klima-Katastrophe“. Im Rennen um die immer schwerer zu erlangende Aufmerksamkeit der Massengesellschaft sind die Grenzen der Apokalyse-Szenarien nach oben offen. Der Klimawandel findet also zumindest bei den immer hitzigeren Berichterstattungen messbar deutlich statt. Die gegenseitige Aufwiegelung der Angst hat mittlerweile auch die Wirtschaft und die Politik erfasst. Banken bieten „Klima-Fonds“ an und profitieren auf ihre eigene Weise vom bevorstehenden Weltuntergang – „carpe diem!“. Auf der anderen Seite kann sich der Anleger als Kapitalist und Gutmensch gleichzeitig fühlen. Politiker glänzen demgegenüber damit, Sondersessionen mit endlosen Klima-Diskussionen abzuhalten und neue Öko-Steuern zu verlangen. Einen Schritt weiter ging Heidi Cullen, Klima-Expertin des amerikanischen „Weather Channel“. Sie will, dass Meteorologen, welche die Rolle des Menschen an der Klima-Erwärmung anzweifeln, ihre berufliche Zulassung verlieren sollen. Nach dem „Holocaust-Leugner“ nun also der „Klima-Leugner“, der für seine ach so menschenverachtenden, gemeingefährlichen Äusserungen bestraft gehört.

Halten wir also fest: Ein Gremium von Wissenschaftlern erhält den Status eines omnipräsenten Rates der Weisen, dessen Stellungnahmen kaum je hinterfragt werden (obschon sich die von den Wissenschaftlern aufgezeigten Gefahren im Wesentlichen nur auf prospektive Analysen und Prognosen stützen). Die ganze etablierte Politik steigt  in diesen Kanon der Angst mit ein und stimmt ihn noch einiges penetranter an. So gut wie keine Zeitung verliert schliesslich ein kritisches Wort dazu, sondern heizt die Stimmung gleich nochmals an. Die verbliebenen kritischen Stimmen müssen sich darauf gefasst machen, dereinst für ihre Ansichten hinter Gitter zu kommen oder jedenfalls etwaige berufliche Zulassungen zu verlieren: Das alles sollte doch etwas skeptisch machen.

Wenigstens die Weltwoche macht eine Ausnahme und lässt Richard S. Lindzen zu Wort kommen, der am renommierten Massachusetts Institute of Technology arbeitet. Sein Befund zum Klimawandel lautet: „Der Einfluss von CO2 ist weit geringer, als die Modelle vorausgesagt haben.“ Und weiter: „Es ist wärmer geworden im letzten Jahrhundert, aber das Klima ist ein System, das immer variiert. Und es ist ein turbulentes System, da kann man nicht mit Dogmatismus kommen.“ Lindzen ist übrigens, entgegen der medial porträtierten Einigkeit in der Wissenschaftsgemeinde, längst nicht der einzige Klimaskeptiker.[1]

Über die (zumindest gegen aussen scheinbare) Meinungseinöde in der Wissenschaftsgemeinde gibt Lindzen zudem zu bedenken, wie leicht und oft sich die Wissenschaft von der Politik korrumpieren lässt. Denn nicht selten stehen hinter der klebrigen Gutmenschenrhetorik für eine bessere Welt auch handfeste materielle Motive. „Als der ältere Bush die Mittel für die Klimaforschung von 170 Millionen Dollar auf zwei Milliarden erhöhte, merkten die Institutionen, dass ihre Zukunft mit dem Klimawandel verbunden war.“

Es geht hier nicht darum sich anzumassen, wissenschaftlich erhärtete und fundierte Aussagen zum Klimawandel zu machen (im Gegensatz zum Heer der Politiker, die gegenwärtig alle als Hobby-Wissenschaftler wiedergeboren werden). Dazu wäre im Übrigen der Platz auch viel zu knapp. Immerhin gibt es guten Grund dazu, Massenhysterien über eine bevorstehende Katastrophe regelmässig kritisch zu hinterfragen. Denn deren Halbwertszeit ist meistens relativ kurz: Die beschworene Erdölkrise ist ebenso ausgeblieben wie das Wald-Sterben. Das ändert offenbar nichts an der dauernden Attraktivität recycelter Versionen der Apokalypse. Man wird den Eindruck nicht los, als gebe es irgendein menschliches Grundbedürfnis nach der Angst vor einem bevorstehenden Weltuntergang. Von der mittelalterlichen Eschatologie bis hin zur Klimakatastrophe von heute: Endzeitstimmung hat Kult-Status.

Bei soviel Hektik kann es nicht schaden, sich bisweilen gewisse Konstanten des menschlichen Charakters in Erinnerung zu rufen: Macht korrumpiert. Die Aussicht, als Politiker das Verhalten der ganzen Massengesellschaft steuern zu können, ist verlockend; und noch verlockender ist die Aussicht, über irgendwelche Klima-Gebühren eine neue Finanzquelle anzapfen zu können, um die eigene desaströse, aber wählertechnisch attraktive Umverteilungspolitik erhalten zu können. In diesen Zusammenhang passend ist die brillante Aussage des bedeutenden Schweizer Kulturhistorikers Jacob Burckhardt: „Und nun ist die Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübe. Sie ist kein Beharren, sondern eine Gier und eo ipso unerfüllbar, daher in sich unglücklich und muss also andere unglücklich machen.“ Davon machen die Politiker, welche die Macht des Staates im Namen des Klimaschutzes ausdehnen wollen, keine Ausnahme.

So wundert es auch nicht, dass die derzeitige Vorsitzende des EU-Ministerrates, Angela Merkel, das Klima-Thema ziemlich schnell aufgenommen und einen neuen europaweiten Klima-Aktivismus in Gang gesetzt hat. Bereits wurde am EU-Klimagipfel ein Vorstoss für eine höhere Lkw-Maut aufgenommen. Die auch nur ansatzweise Realisierung der vereinbarten Senkung der Treibhausgas-Emissionen um 20% bis 2020 macht zudem neue staatliche Abgaben fast unumgänglich. Resultat dieser EU-Klima-Politik: Der Fiskus hat Geld und Merkel setzt sich ein Denkmal. Ist Politik nicht wunderbar?


[1] Weitere skeptische Stimmen zum Klimawandel: Khabibullo Abdusamatov; Jarl Ahlbeck; Sallie Baliunas; Tim Ball; Robert Balling; Jack Barrett; Dave Barss; David Bellamy; Sonja Boehmer-Christiansen; Frits Böttcher; Paal Brekke; Adriaan Broere; Ian Byatt; Ian Castles; John Christy; Ian Clarke; Paul Copper; Richard Courtney; Michael Crighton; Petr Chylek; (late) John Daly; Peter Dietze; David Douglass; Hugh Ellsaesser; John Emsley; Hans Erren; Robert Essenhigh; Chris Essex; Bob Foster; Chris de Freitas; Eigil Friis-Christensen; Bas van Geel; Lee Gerhard; Vincent Gray; William Gray; Kenneth Green; Timo Hämeranta; Tom Harris; Howard Hayden; David Henderson; Louis Hissink; Christopher Horner; Douglas Hoyt; Heinz Hug; Sherwood, Keith and Craig Idso; Andrei Illarionov; Yuri Izrael; Albert Jacobs; Kees de Jager; Zbigniew Jaworowski; Hans Jelbring; Madhav Khandekar; Kirill Kondratyev; Chris Landsea; Douglas Leahey; Allan MacRae; Mikhel Mathieson; Stephen McIntyre; Ross McKitrick; Patrick Michaels; Fred Michel; Asmunn Moene; Julian Morris; Thomas Moore; Tad Murty; William Kininmonth; Kirill Kondratyev; Salomon Kroonenberg; Hans Labohm; Knud Lassen; Nigel Lawson; David Legates; Marcel Leroux; Gerrit van der Lingen; Bjørn Lomborg; David Nowell; James O'Brien; Tim Patterson; Bob Pawley; Alan Peacock; Benny Peiser; Roger Pielke; Ian Plimer; Harry Priem; Paul Reiter; Colin Robinson; Art Robinson; Arthur Rörsch; Simon Rozendaal; Rob Scagel; Gary Sharp; Nir Shaviv; Paavo Siitam; Frederick Seitz; John Shotsky; Fred Singer; Robert Skidelsky; Carlo Stagnaro; Phillip Stott; Willie Soon; Roy Spencer; Henrik Svensmark; George Taylor; Henk Tennekes; Dick Thoenes; Jan Veizer; John Weissberger und David Wojick (Quelle http://www.novo-magazin.de/86/novo8624.htm)


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