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Ende der Berner Steuerhölle für Autofahrer in Sicht


Der Grossrat des Kantons Bern hat am 19. November 2009 eine Revision des Gesetzes über die Besteuerung der Strassenfahrzeuge beschlossen. Die Revision sieht eine saftige Erhöhung der Strassenverkehrssteuern für Autos der Effizienzkategorien E, F, G vor. Um die Steuererhöhung etwas besser verkaufen zu können, sieht der Erlass für energieeffiziente Autos (Effizienzkategorien A und B) eine Steuerreduktion während drei Jahren vor. Hinzu käme ein Steuerzuschlag von 20 – 40% für Autos, welche vor über 20 Jahren in Verkehr gesetzt worden sind.

Bereits heute hat der Kanton Bern im gesamtschweizerischen Vergleich die höchsten Fahrzeugsteuern: Für einen VW Golf VI 1.4 TSI 122, 5 Türen, Jg. 2010, zahlt der Halter heute im Aargau Fr. 228, im Kanton Bern Fr. 667. Bei einem Toyota Verso 2.2 D-CAT, Jahrgang 2010, betragen die Strassenverkehrssteuern im Kanton Solothurn Fr. 453, im Kanton Zürich Fr. 443; der Kanton Bern jedoch erhebt Fr. 739. Verbunden mit seiner für den Mittelstand generell überdurchschnittlich schweren Steuerlast ist der Kanton Bern eine wahre Steuerhölle.

Was in der ÖV- und Öko-Romantik rot-grüner Politiker allzu oft vergessen geht: Nicht jeder kann sich den Luxus leisten, nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen. Gerade in ländlichen Regionen können Bus und Bahn die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen nur ungenügend erfüllen. Hier ist man auf das Auto angewiesen. Ebenso kann sich nicht jeder Bürger den Luxus leisten, beim Auto auf die Energieeffizienz zu schauen. Je nach Wohn- oder Arbeitslage des Fahrzeughalters ist z.B. ein Allradfahrzeug mit Effizienzkategorie E, F oder G eine schiere Notwendigkeit.

Mit dem grossrätlichen Beschluss kämen auf die Autofahrer im Kanton Bern noch dunklere Zeiten zu. Fahrzeuge der Effizienzkategorie E würden neu mit einem Steuerzuschlag von bis zu 20% besteuert, Fahrzeuge der Effizienzkategorie F mit einem Steuerzuschlag von 20 – 40% und solche der Effizienzkategorie G gar mit einem Steuerzuschlag von 40 – 60%.

Am Beispiel eines Volvo XC90 2,5 T AWD, Jahrgang 2010 (E.-Kat. G), zeigt sich die konkrete Dimension der Steuererhöhung: Im Kanton Bern liegt für dieses Auto heute die Strassenverkehrssteuer bei Fr. 821 (zum Vergleich: Im Kanton Luzern sind es nur Fr. 473). Gemäss dem grossrätlichen Beschluss wären es neu ganze Fr. 1´236. Das in der Gesetzesrevision gleichzeitig angebotene Zückerchen für energieeffiziente Autos (E. Kat. A und B) ist demgegenüber eine reine Farce. Nach nur drei Jahren würden für diese Autos wieder die hohen Strassenverkehrssteuern von heute gelten.

Ohnehin führt es letztlich zu ungerechten Ergebnissen, Autos hinsichtlich ihrer Effizienzkategorie zu besteuern. Wenig energieeffiziente Autos sind oft auch Liebhaberobjekte, wie z.B. ein Aston Martin oder ein Maserati. Das Auto ist hier mehr Genuss- als Fortbewegungsmittel. Genau deshalb werden diese Autos aber nicht jeden Tag, sondern z.B. vor allem an Wochenenden gefahren. Die abstrakt gesehen schlechte Energieeffizienz ist hier gerade nicht das Problem.

Lange Zeit sah es aus, als ob das neue Hochsteuer-Gesetz durchkommen würde. Danach hat der Auswiler Garagier Hannes Flückiger praktisch im Alleingang für einen Volksvorschlag zu sammeln begonnen. Dieser sieht einerseits eine generelle Reduktion der Strassenverkehrssteuer von ca. 33% vor. Der Kanton Bern wäre - jedenfalls was die Strassenverkehrssteuer angeht – endlich nicht mehr Steuerhölle, sondern zumindest Durchschnitt. Energieeffiziente Autos würden überdies um 20% (Kategorie B) bzw. 40% (Kategorie A) entlastet.

Innerhalb kürzester Zeit ist eine unglaubliche Anzahl von rund 26´000 Unterschriften gesammelt worden, praktisch allein durch Einzelinitiative. Nötig gewesen wären nur 10´000. Die erfolgreiche Sammlung macht deutlich: Der Geist des Widerstandes gegen zuviel Staat ist hierzulande noch wach. Ebenfalls zeigt sich: Nicht viel Geld, sondern Bürgerinitiative und ein offenes Ohr für die Probleme der Menschen sind entscheidend, um Unterstützung für ein Anliegen gewinnen zu können. Die erfolgreiche Unterschriftensammlung ist damit ein deutliches Zeichen für die Lebendigkeit unserer direkten Demokratie; und ein deutliches Warnsignal nach Bern. Wir Berner haben von der Politik Besseres verdient als hohe Steuern.


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