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Weckruf an das Berner Sozialhilfe-Seldwyla


Jetzt ist es amtlich: Biel ist das Sozialhilfe-Mekka des Kantons Bern. Nirgends im Kanton ist die Sozialhilfequote höher als im Amtsbezirk Biel, bestehend aus der Stadt Biel und Evilard: Mehr als jeder Zehnte (10,57%) hängt dort am Sozialhilfe-Tropf (kantonaler Durchschnitt: 4.99%). Auch die Kosten für Sozialhilfeempfänger sind in Biel mit 8539 Fr. (Durchschnitt: 6364 Fr.) am höchsten, ebenso die Arbeitslosenquote mit 4% (Durchschnitt: 2.6%). Das und mehr fördern die Sozialhilfedaten 2006 zu Tage.

Ein Blick auf die demographischen Verhältnisse der Stadt Biel liefert weitere Erklärungen für den hohen Anteil an Sozialhilfeempfängern: Der Ausländeranteil liegt bei 30% (gegenüber 16% im kantonalen Mittel). Biel weist auch einen hohen Anteil Alleinstehender (45% aller Haushalte) auf. Allgemein gilt zudem: In Städten gibt es aufgrund der anonymen Strukturen und fehlenden sozialen Kontrolle mehr Sozialhilfeempfänger als auf dem Land. Urban, alleinstehend, ausländisch: Was von links gern als Inbegriff des Fortschritts gepriesen wird, ist in Tat und Wahrheit eher ein Klumpenrisiko für den Kanton.

Zwar ist kantonal gesehen die Anzahl Sozialhilfeempfänger zum ersten Mal seit 2001 wieder leicht gesunken. 47910 Personen bezogen 2006 Sozialhilfe. Die Kosten der Sozialhilfe indes steigen weiter und liegen mittlerweile bei insgesamt 703 Mio. Fr. Die Kosten für wirtschaftliche Hilfe, also die Sozialhilfe im eigentlichen Sinn, machen mit 333 Mio. Fr fast die Hälfte aus. Dazu kommen u.a. die Kosten für externe Kinderbetreuung, Beschäftigungs- und Integrationsdienste, Therapieangebote für Suchtkranke etc. Zum Vergleich: 2002 waren es noch 533 Mio. Fr. für Sozialhilfe insgesamt, bzw. 206 Mio. Fr. für wirtschaftliche Hilfe.

Diese Entwicklungen machen klar: Die Sozialhilfekosten sind seit langem aus dem Ruder gelaufen. Der Sozialstaat wurde einst für die wirklich bedürftigen Menschen und die Opfer unverschuldeter Unfälle oder Arbeitslosigkeit geschaffen. Heute ist er zu einer Art modernem Futtertrog mutiert. Statt Bedürftigkeit wird zunehmend Missbrauch alimentiert. Die frühere Leiterin der Stadtberner Sozialdienste schätzte die Missbrauchsquote in der Sozialhilfe auf 10 bis 20%. Ende Juli dieses Jahres wurde beispielsweise der Fall eines iranischen Drogendealers bekannt, der monatlich 2600 Franken an Sozialhilfe erhält und daneben zwei BMW´s besitzt. Statt Not lindern dient der heutige Wohlfahrtsstaat zusehends auch als Institution zur Fremdfinanzierung des eigenen Lifestyles, etwa für Alleinstehende. Denn ohne staatliche Hilfe liessen sich solche Haushalte oft gar nicht führen. Ein als Täterschutz missverstandener Datenschutz schliesslich verhindert einen wirkungsvollen Informationsaustausch zwischen den einzelnen Behörden.

Immerhin beginnt es im Berner Sozialhilfe-Seldwyla zu dämmern. Die Mängel im heutigen Sozialhilfesystem können immer schwerer unter der Haube der politisch-korrekten Realitätsverdrängung gehalten werden. Der Anstieg der Sozialhilfekosten war im Jahr 2006 geringer als in den Vorjahren. Hiezu hat allerdings die gute wirtschaftliche Entwicklung massgeblich beigetragen. Der Anstieg der Sozialhilfekosten ist mit 3% (bei der wirtschaftlichen Hilfe sogar 5%) zudem immer noch höher als das Wachstum des BIP und damit der Wirtschaft. Zunehmend populärer werden Sozialinspektoren. Diese sollen die Sozialbehörden unterstützen und bei Verdacht auf missbräuchlich erworbene Leistungen aktiv werden. Emmen kennt bereits einen solchen Inspektor und hat gute Erfahrungen gesammelt. Die Kosten für die Stelle werden durch die aufgedeckten Missbrauchsfälle gedeckt, und gleichzeitig wird das Vertrauen in das Sozialsystem gestärkt. In Olten ist diese Aufgabe einem externen Betrieb „SoWatch“ übertragen worden. In Biel wird voraussichtlich 2008 ein Projekt zur Einsetzung von Sozialinspektoren lanciert. Der Kanton beteiligt sich an der Finanzierung. Auch die Gemeinde Köniz will Sozialinspektoren einsetzen.

Stetig steigende Kosten, Missbrauchsanfälligkeit, Fremdfinanzierung des eigenen Lifestyles etc.: Dies sind ebenso gravierende wie typische Phänomene des heutigen Wohlfahrtsstaates. Treffend dazu ist die Aussage des österreichischen Wirtschaftsnobelpreisträgers Friedrich August von Hayek (1899-1992): „Es wurde einmal richtig bemerkt, dass wir, während wir früher an sozialen Übeln krankten, jetzt an ihren Gegenmitteln kranken.“


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