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In ihrem Bulletin „Tangram“, Nr.
19, publiziert die eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) Artikel rund
um die Themen Rassismus und Jugend. Die Aussagen sind über weite Strecken –
gelinde gesagt – tendenziös. Statt der Suche nach Wahrheit dominieren
Denkverbote und akademische Scheuklappen den Inhalt.
Wie weit diese Scheuklappen der
politischen Korrektheit gehen können, zeigt ein Bericht zum Thema „Destabilisierungsprozesse jugendlicher
Opfer rechtsextremer Gewalt“. Das beginnt schon bei der Sprache:
Linksextreme Chaoten, die sich nicht selten weder um die Gesundheit von
Polizisten noch fremdes Eigentum scheren, werden lieblich „Linksautonome“ genannt. Ausländer sind „Heranwachsende mit Migrationshintergrund“. Personen schliesslich,
deren Lebensstil einer Kapitulation vor den Anforderungen der Gesellschaft gleicht,
sind im EKR-Neusprech „von der Norm
abweichende junge Erwachsene“. Solche und andere Gruppen (Obdachlose, Drogenkonsumenten)
werden im EKR-Bericht konsequent als Opfergruppen umschrieben.
„Sekundäre
Viktimisierung“ Perfiderweise werden die
Opfergruppen aber nicht (nur) wegen der erlittenen Gewalt durch Rechtsextreme als
Opfer bezeichnet. Opfer seien sie vielmehr auch durch eine „sekundäre
Viktimisierung“. Denn die „Instanzen der
formellen Sozialkontrolle“, d.h. vor allem die Polizei, würden den Opfern
durch ihr angeblich unsensibles und einseitiges Verhalten den Opferstatus
aberkennen. „Sie reagiert auf ihnen
bereits in anderem Zusammenhang bekannte Personen, wie dies bei Randgruppen
häufig der Fall ist, mit Unverständnis, weist ihnen zumindest eine Teilschuld
zu, verleugnet das Tatmotiv oder rät gar von einer Anzeige ab.“ Solche
pauschalen Anfeindungen gegen die Arbeit der Polizei haben vielleicht in einem
Vereinsblättchen einer Anarchistengruppe Platz, aber wohl kaum im Bulletin
einer Kommission, die vom Steuerzahler ernährt wird. Dass Drogenabhängige,
Obdachlose und Chaoten für den Polizisten an der Front berechtigterweise nur
allzu oft Problemgruppen darstellen, welche die öffentliche Ruhe stören oder
vor denen er seine Mitmenschen gar zu schützen hat, lassen die Theoretiker der
EKR-Broschüre im Übrigen geflissentlich beiseite.
Aberkannter
Opferstatus? Weiter ist im Bulletin zu lesen,
dass den Opfern auch durch die politische Diskussion um kriminelle junge
Ausländer, Asylmissbrauch oder Sozialschmarotzer ihr Opferstatus aberkannt
würde. Man muss sich hier einfach vor Augen führen. Eine Gesellschaft hat zwei
Möglichkeiten, das Phänomen Ausländerkriminalität und Sozialtourismus
anzugehen: Entweder man spricht die Fakten deutlich, aber ehrlich an. Man
spricht an, dass Jugendkriminalität mehrheitlich Ausländerkriminalität ist. Man spricht an, dass die Einwanderung von heute grossenteils eine
Einwanderung in den Sozialstaat ist. Oder aber man übt sich in
politisch-korrekter Tabuisierung, schreibt Aufsätze und Dissertationen über
sekundäre Viktimisierung, zahlt brav Steuern für Sozialwerke, welche angesichts
des multikulturellen Sozialrentner-Proletariats nicht mehr finanzierbar sind
und wundert sich, warum die Kriminalstatistik jedes Jahr wieder etwas trauriger
aussieht.
Kein Wort
zur Ausländerkriminalität Im Übrigen wäre es angebracht, dass
die EKR auch einmal über die sekundäre Viktimisierung von Opfern von Ausländerkriminalität
ein Wort verlieren würde: Über das Opfer z.B., dessen Geschichte in der
politischen Diskussion kein oder zu wenig Gewicht erhält, da man sonst ja Vorurteile
gegenüber Ausländern schüren würde; oder über das Opfer von
Ausländerkriminalität – der Täter hätte längst ausgeschafft werden sollen –,
das von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey höchst persönlich vernimmt, eine
Ausschaffungsinitiative sei „das Letzte,
was die Schweiz braucht“; und schliesslich über das Opfer von
Ausländerkriminalität, das vernimmt, dass der Täter nicht etwa eine Strafe
verbüssen muss, welche diesen Namen verdient, sondern im System des Gutmenschenstrafvollzugs
verhätschelt wird. Aber eben. Bei diesen Fällen beginnen die Scheuklappen der
politischen Korrektheit.
Politisch noch einseitiger ist der
Bericht „Ausländerfeindliche
Einstellungen unter Schweizer Jugendlichen“. Die Autorin, Andrea Haenni
Hoti, beschreibt darin eine von ihr selbst durchgeführte „Jugendstudie“, in der
anhand von gerade mal 4 Fragen der Ausländerfeind im Jugendlichen erkannt
werden soll. Auf ausländerfeindliche Einstellungen schliessen lässt bereits,
wenn der Befragte z.B. folgende Aussage befürwortet: „Die in der Schweiz lebenden Ausländer/innen sollten ihren Lebensstil
ein bisschen besser an den der Schweizer/innen anpassen.“ Aus den
Auswertungen dieser „Analyse" kann die Autorin dann endlich folgende
offenbar über jeden wissenschaftlichen Zweifel erhabenen Schlussfolgerungen
ziehen: „Jugendliche mit
ausländerfeindlicher Einstellung scheinen sich eher mit einem traditionellen,
vom <<Sonderfall Schweiz>> geprägten Bild der Schweizer Nation zu
identifizieren, wie es in ländlichen Gegenden noch stärker verbreitet ist“
und weiter: „Das Aufwachsen in einem
traditionell ländlichen, nach innen orientierten Milieu scheint deshalb im
Gegensatz zu einem städtisch-kosmopolitischen Milieu der Übernahme einer
ausländerfeindlichen Einstellung förderlich zu sein.“ Ausserdem steige die
Neigung zu ausländerfeindlicher Einstellung mit der „Bereitschaft zu diszipliniertem Gehorsam gegenüber Autoritäten und politischen Führungspersonen“ sowie
dem „Ruf nach einer härteren Gangart
gegenüber Kriminellen“. Schliesslich entpuppt sich die Autorin auch noch
als Expertin im Bereich „Gender Studies“. So hält sie zur Ausländerfeindlichkeit
fest: „Das männliche Geschlecht stellt
somit einen Risikofaktor dar.“
Man kann nur staunen. Anhand von
gerade mal 4 Fragen wird es möglich, einen ansehnlichen (wenn auch der Autorin
wohl nicht so sympathischen) Teil der Schweizer Bevölkerung zum
Gefahrenpotential zu erklären, der dann wiederum mit viel Sensibilisierungsarbeit
von oben zur gefügigen Masse bis in den Zustand des politisch korrekten
Hirntodes zu therapieren ist: Moderne Soziologie, angewandt in der Praxis.
Gewiss: Stereotype Vorurteile
gegen Ausländer verdienen Kritik. Aber so richtig peinlich wird es erst, wenn
jemand seine eigenen stereotypen Vorurteile zu einer Wissenschaft macht. Hier
der gute Ausländer, dort der böse, rechtsgerichtete, auf dem Land lebende, nicht
über einen Universitätsabschluss verfügende, männliche Ausländerfeind; und schliesslich
die Soziologin, die diese psychologischen Tiefenmechanismen in einem staatlich
alimentierten Forschungsprogramm untersucht und sich anschliessend zur
sozio-kulturellen Gesellschaftselite zählen darf.
Der Bildungsforscher Christian
Imdorf wiederum geht der Frage nach, „weshalb
Lehrbetriebe keine <<ausländischen Jugendlichen>> ausbilden wollen“.
Hoch zu Ross doziert er vom Schreibtisch herab: „Die Argumente der Lehrmeister stehen auf brüchigem Fundament.“ So
als wären Lehrmeister verpflichtet, ausländische Lehrlinge bei sich
einzustellen, mimt Imdorf den elitären Lehrer. Die sprachlichen und schulischen
Defizite ausländischer Lehrlinge, welche die Lehrmeister betonen, seien nur
vordergründig. Vielmehr gebe ein negatives Bauchgefühl den Ausschlag. Es zeigt
sich einmal mehr, welchen Respekt Werte wie Vertragsfreiheit und
Privatautonomie heute in allzu vielen intellektuellen Kreisen noch geniessen.
Symbiose
von Sozialismus und Antirassismus Weisheiten der besonderen Art
liefert uns der Soziologe Marco Galli. Zu Beginn tönt es noch einleuchtend. Rassismus
bestehe darin, in Ausländern einen Sündenbock für alles zu sehen. Diese Erklärung
hindert den hohen Soziologen aber nicht, gleich selbst einen Sündenbock für die
Probleme auf dieser Welt zu finden: „Es
ist immer einfacher, die Schuld für alles Ungemach beim anderen und seinem
Anderssein zu suchen als in der Finanzpolitik eines Bankenkartells oder bei
multinationalen Gesellschaften.“ Es folgt die Architektur einer Symbiose
von Sozialismus und Antirassismus. Denn Rassismus werde hervorgerufen durch
Ängste um die Verteilung der Güter. In bestem Marxisten-Deutsch fährt der
Soziologe weiter: „Ohne eine solche
bessere Verteilung kann auch die Rassismusbekämpfung nicht wirklich greifen.“
Bestärkt wird er vom deutschen Pädagogik-Professor Wilhelm Heitmeyer, der
bereits die Akzeptanz sozialer Ungleichheit als zentrales Merkmal von Ausländerfeindlichkeit
nennt. Man darf also gespannt sein, wie lange es noch geht, bis die Befürworter
der freien Marktwirtschaft, die Ungleichheiten denklogisch voraussetzt, nach
dem Antirassismusgesetz bestraft werden.
Linksintellektuelle
Polit-Spiesser Mit dem Tangram-Bulletin schafft
die EKR vor allem eines: Sie dokumentiert sich selbst. Sie gibt ein Bild ab von
sich als einem Kolloqium linksintellektueller Politspiesser, deren Engagement
gegen Rassismus nur ein Etikett darstellt für eine moralisch minderwertige
Hassentladung gegen erfolgreiche und praxisbezogene rechtsbürgerliche Ideen. Künstlich ernährt durch Fronabgaben des
Steuerzahlers, eingebunkert in den Büros der politischen Korrektheit und bequem
abgeschirmt von den traurigen Realitäten des (auch) von ihnen gepredigten
Multikulturalismus, erheben die Politfunktionäre der EKR bei jeder noch so
lächerlichen Diskriminierung sofort den Mahnfinger und reden die rassistische
Apokalypse herbei. Jedoch offenbaren sie sich dabei nur selbst als die
ungehobeltsten Schwarz-Weiss-Seher mit dem Unterschied, dass sie ihre eigene
Borniertheit als Wissenschaft missverstehen.
P.S.: Der renommierte französische
Essayist Pascal Bruckner hat einmal vom Rassismus des Antirassismus gesprochen.
„In dieser Toleranz liegt Verachtung,
denn sie unterstellt, dass einige Gemeinschaften unfähig seien zur Moderne.“
Wer Ausländer dauernd unter staatlichen Artenschutz stellen will, damit diese
in unserer Gesellschaft eine Chance haben, geht im Grunde doch davon aus, dass
Ausländer zu minderwertig sind, um unseren hohen freiheitlich-demokratischen
Ansprüchen zu genügen. Eine Selbstanzeige von Antirassismus-Ayatollah und EKR-Präsident
Georg Kreis wegen Rassendiskriminierung wäre also längst überfällig.
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