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Mörderische Toleranz


Satire, Sarkasmus oder Zynismus: Immer geht es um dasselbe. Die gesellschaftlichen Mechanismen werden in scharfzüngiger, manchmal sogar unanständiger Weise aufs Korn genommen. Prominente, Politiker, Wirtschaftsbosse – kurz: die Elite – werden kritisiert, manchmal sogar bloss gestellt. So unangenehm das alles sein mag: Satire, Sarkasmus und Zynismus gehören zur freien Demokratie wie das Brot zum Frühstück. Durch die provokative Kritik an der Gesellschaft mit ihren Mechanismen und Prozessen werden die Menschen gezwungen, Etabliertes wieder neu zu hinterfragen. Dieses ständige Hinterfragen verhindert letztlich, dass erkämpfte Werte und Ideen zur hohlen Farce verkommen. Die scharfe Kritik an den Führungskräften in einer Gesellschaft holt diese zurück auf den Boden des Menschlichen. Ansonsten würden sie durch ihren Platz in der Elite in eine Aura der Unfehlbarkeit einkokoniert, die sie von der Realität abschirmt.

Sogar im antiken Rom mit seiner weitreichenden staatlichen Autorität hatten die Satiriker eine weitgehende Narrenfreiheit. Seit den bürgerlichen Revolutionen im 18. Jahrhundert sind die Freiheitsrechte, darunter vor allem die Redefreiheit, ein Schutz für satirische, sarkastische und zynische Kritik. Dies ist auch nötig. Denn immer wieder gerät die gesellschaftliche Elite in Versuchung, mit staatlichem Zwang für sie unerwünschte Kritik abzuwürgen. Denn wie beruhigend ist doch ein Image der eigenen Unfehlbarkeit. Ein sicheres Anzeichen totalitärer Staaten ist denn auch ihr Kampf gegen Herrschaftskritik und Meinungsfreiheit. Man rufe sich nur einmal in Erinnerung, wie Nazideutschland oder die Sowjetunion mit Regimekritikern umgegangen sind. Dahinter verbirgt sich ein tiefes Misstrauen gegen die persönliche Freiheit. Der Mensch gilt als unfähig, Kritik an den Eliten vernünftig einzuordnen. Als potentielle Gefahr für den Staat muss dieser den Menschen stattdessen scharf kontrollieren und ihm kritische Informationen – wenn überhaupt – nur dosiert verabreichen.

Gerade in diesen Tagen muss sich die Meinungsfreiheit in Europa wieder behaupten. Die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ hat kürzlich 12 satirische Mohammed-Karikaturen abgedruckt. Ein privates Unternehmen macht von seinem Recht auf freie Meinungsäusserung Gebrauch. Ein harmloser Fall, im Grund genommen. Zeitungen in anderen Ländern haben die Karikaturen ganz oder teilweise nachgedruckt, auch in der Schweiz.

Wie lautete die Antwort der Muslime? Die Karikaturen lösten einen Sturm der Entrüstung aus.
Massendemonstrationen, Boykotte gegen dänische Waren, Attacken gegen westliche Botschaften. Arabische Staaten waren oft demonstrativ zurückhaltend, als Randalierer die westlichen Einrichtungen angriffen. Was die christliche Religion demgegenüber alles an Blossstellungen zu ertragen hat, fällt offenbar kaum ins Gewicht.

Auch viele in Europa lebende Muslime nehmen den Islam von der Kritik aus. Bei Demonstrationen in London waren gar Transparente mit Aufschriften wie „Abschlachten von Beleidigern des Islams“ zu lesen: Das wirft auch ein sehr schlechtes Licht auf die Integrationspolitik der europäischen Staaten. Über Jahre hinweg hat man gerade von den massenweise einwandernden Muslimen zu wenig Integrationsleistungen und Anpassung an die Werte der freien Gesellschaft gefordert. Das Ergebnis ist heute sichtbar: Holland z.B. machte seine bitteren Erfahrungen mit den Folgen einer zu weichen Integrationspolitik. Der Filmemacher Theo van Gogh musste – ebenfalls für Kritik am Islam – mit seinem Leben bezahlen.

Aber damit noch nicht genug: Der Kampf gegen die Freiheit scheint sich für die intoleranten Muslime auszuzahlen: Bereits kuschten einige Minister oder Botschafter und entschuldigen sich dafür, dass private Unternehmen von ihrem Recht auf freie Meinungsäusserung Gebrauch gemacht haben. Was für ein verzerrtes Demokratieverständnis! Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, die sonst keine Grenzen kennt (etwa wenn es um ihren Friedensaktivismus oder ihre Selbstverwirklichung geht), mahnte zum Respekt vor den Grenzen der Meinungsfreiheit. Schliesslich verurteilte auch UN-Generalsekretär Kofi Annan das Nachdrucken der Karikaturen. Auch toleranzgeile Schreibtischintellektuelle hegen Verständnis. Die armen Muslime würden schliesslich vom arroganten Westen, den USA, der Globalisierung laufend geknebelt. So zelebriert man jenen gefährlichen Opfermythos. Mit diesem rekrutieren derzeit die muslimischen Fanatiker die Massen. Auch in der Schweiz erhalten die Fanatiker Schützenhilfe: Der Publizist Erich Gysling nannte die Karikaturen rassistisch. Einrichtungen wie die eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) verhindern mit ihrer Moralkeule regelmässig ernsthafte Diskussionen zum Thema Islam und dessen Vereinbarkeit mit der freien Gesellschaft. Sogar hiesige christliche Kirchenvertreter haben nichts Besseres zu tun, als im Chor der Freiheitsbeschneider mitzusingen.

Diese Blindheit ist fatal. Der Kampf der Kulturen, den man gerne verdrängen möchte, ist Realität. Der Westen muss, wenn er seine abendländische Kultur bewahren will, diese gegenüber muslimischem Fanatismus in aller Entschiedenheit behaupten. Gegenüber unseren Freiheitsrechten gibt es keine Toleranz. Der Westen zelebriert heute ohnehin eine völlig oberflächliche Toleranz. Folge davon ist ein Multikulturalismus, der die eigene Kultur verleugnet im einzigen Bedürfnis, auch ein bisschen anders, ein bisschen modern zu sein. Der kanadische Kommentator Mark Steyn sagt dazu: "Das Tolle am Multikulturalismus beispielsweise ist, dass man gar nichts von anderen Kulturen wissen muss. Alles, was es braucht, ist, andere Kulturen cool zu finden."

Wahrhaftig: All die Toleranzprediger in Politik, Medien und Kultur, sie sind die eigentlichen Totengräber der freien Gesellschaft, dank denen der radikale Islamismus durch offene Türen einmarschieren kann.

 


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