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Unsere Milizarmee ist bedroht


Es war der bisher letzte einer ganzen Reihe von Schlägen der Schweizer Politik gegen die Milizarmee: Seit dem 1. April 2009 gibt es keine sogenannte Gewissensprüfung mehr bei Gesuchen um Dispensation vom Militärdienst. Im Klartext: Wer heute statt Militärdienst einen zivilen Ersatzdienst leisten will, muss nur noch den Tatbeweis erbringen. Er muss bereit sein, einen anderthalbmal längeren zivilen Ersatzdienst (Tätigkeit in den Bereichen Gesundheits- oder Sozialwesen, Umweltschutz, humanitäre Hilfe, etc.) zu leisten.

Das Schweizer Parlament hat die entsprechende Änderung des Zivildienstgesetzes auf eine Motion von  EVP-Nationalrat Heiner Studer hin beschlossen. In der Botschaft ans Parlament beruhigte der Bundesrat im Februar 2008: Es „ist nicht zu erwarten, dass eine Vereinfachung des Zulassungsverfahrens bei gleichbleibender Zivildienstdauer zu einer grossen Zunahme der Anzahl der Zivildienstgesuche führen wird, die zudem einen markanten Einfluss auf die Bestände der Armee hätte“ (BBl 2008 S. 2723). Die Parlamentarier glaubten brav den bundesrätlichen Prophezeiungen und stimmten der Aufhebung der Gewissensprüfung zu. Die Linke jubelte. Eine alte Forderung gegen die verhasste Milizarmee war mehrheitsfähig geworden. An der Urne schickte der Souverän eine entsprechende Volksinitiative im Jahr 1984 mit fast 64% Nein-Stimmen noch deutlich bachab.

Mittlerweile lassen sich die ersten Bilanzen der neuen Zivildienstregelung ziehen. Die bundesrätlichen Prognosen haben sich – einmal mehr – nicht erfüllt. Wurden im Jahr 2008 noch 1´946 Gesuche zum Zivildienst gestellt, so erhöhte sich deren Zahl auf ganze 7´213 seit Abschaffung der Gewissensprüfung im April des vergangenen Jahres. Eine Zunahme von über 370%! Unter den Gesuchstellern befinden sich auch zunehmend solche, welche gerade die RS oder einen WK absolvieren. Der Wechsel zum Zivildienst wird teilweise sogar als Drohung missbraucht, um sich vor einer unangenehmen Sonntagswache zu drücken und das Wochenende mit der Freundin verbringen zu können. Der Chef der Armee, Korpskommandant André Blattmann, schlägt Alarm: „Es gehen uns eindeutig zu viele Soldaten verloren, die wir gern behalten würden“ (Aargauer Zeitung vom 11.09.09). Besonders akut wird der Personalmangel beim Weitermachen: In eine Unteroffiziersschule rückten gleich acht Dienstpflichtige samt Umteilungsgesuch ein – die Armee musste sie entlassen.

Die Milizarmee ist heute in ihren Grundfesten bedroht. Volk und Armee entfremden sich zusehends. Die Armeereform XXI hat den Bestand und das Dienstalter der Armeeangehörigen bereits drastisch reduziert. Neu geschaffene Kategorien wie die Durchdiener, welche den ganzen Militärdienst am Stück absolvieren, untergraben den Milizgedanken des Bürgers in Uniform. Mit der heutigen Rekrutierungspraxis ist es massiv einfacher geworden, über den blauen Weg (Untauglichkeit) dem Militärdienst zu entkommen: Nur noch rund 60% der jungen Schweizer werden mittlerweile als armeetauglich eingestuft. Mit der Antiwaffen-Initiative der Linken droht bereits der nächste Schritt. Die Armeewaffe soll ins Zeughaus verbannt werden. Das Obligatorische wäre in seiner Existenz gefährdet.

Die Milizarmee gehört mit der direkten Demokratie und dem Föderalismus zu den Grundfesten des Sonderfalles Schweiz. Die Schweizer Armee ist kein Heer obrigkeitsgläubiger Marionetten, sondern eine Mannschaft mitdenkender Staatsbürger. Jeder Schweizer ist mitverantwortlich für die Gewährung von Sicherheit und Ordnung. Das garantiert, dass die Armee nicht leichtfertig eingesetzt wird.

Dieses Milizsystem hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Schweiz eine der freiesten Nationen der Welt ist. Es darf nicht mit einigen politischen Schildbürger-Reformen zu Tode „modernisiert“ werden.

 


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