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Manch einer wird sich die
Augen gerieben haben, als er nach Jahrzehnten der multikulturellen Träume
wieder einmal die Realität in ihrer ganzen Tragweite gesehen hat. Ein aus
Marokko stammender, eingebürgerter Niederländer schlachtet den holländischen
Filmemacher Theo Van Gogh ab wie ein Tier. Ein ganzes Weltbild beginnt zu
bröckeln. Ende der Träume vom Zusammenleben von Islamisten und Liberalen; Ende
der Illusion vom Diskurs als Lösungsmittel aller Probleme; Ende vom
Trugschluss, dass Wohlstand jeglichen Fanatismus aus der Welt schaffe; Ende vom
Mythos einer largen Integrationspolitik. Ja, die Realität, sie ist bitter. Sie
bestraft jene, die nicht vorbereitet sind. Die Niederlande waren nicht
vorbereitet, Europa ist nicht vorbereitet, genau wie die USA ein paar Jahre
zuvor. Leider traf es aber auch dieses Mal wieder einen Unschuldigen. Bluten
musste Van Gogh für all die Politiker, welche grobfahrlässig Jahre lang die
Konsequenzen der offenen Einwanderungspolitik der Niederlande verschwiegen.
Gewiss: Van Gogh war ein
Provokateur. Daraus aber, wie das einige Muslime offen tun, den Mord praktisch
zu rechtfertigen, ist völlig absurd und gefährlich. Nie darf in einem
Rechtsstaat ein Wort einem Messer gleichgesetzt werden.
Was hat die Schweiz aus
diesem Vorfall zu lernen? Auch wir sind nicht vorbereitet auf den Kampf der
Kulturen. Zu lange vernebelte auch hier die Political correctness wachsame
Geister, zu lange wurden den zuständigen Stellen die Flügel gestutzt, zu lange
wurden kritische Stimmen ignoriert oder als Schwarzmalerei degradiert. Sollte
auch die Schweiz für ihre Unachtsamkeit bestraft werden, all die Prediger der
Political correctness wie Georg Kreis oder Cécile Bühlmann wären mitschuldig.
Die Niederlande sind dem
Schengen-Vertrag beigetreten, mit der Hoffnung auf mehr Sicherheit durch
Kooperation. Offenbar konnten jedoch keine europäische Institution für
kollektive Sicherheit und keine Computerfahndungsdatei verhindern, dass
Menschen wegen ihren Überzeugungen auf offener Strasse hingerichtet werden.
Auch die Schweiz kann sich vor radikalen Islamofaschisten nicht schützen, wenn
sie ihre nationale Sicherheit der Illusion einer kollektiven Sicherheit opfert.
In dieser Hinsicht sind uns
die USA wieder einmal voraus. Die USA haben erkannt, dass man die nationale
Sicherheit nicht an irgendwelche Bürokraten delegieren kann. Auf der anderen
Seite des Atlantiks hat man die zerstörerischen Dimensionen des radikalen
Islamofaschismus bereits erkannt. Nun beginnt man vielleicht auch hierzulande
die Sicherheitsmassnahmen besser zu verstehen, welche die USA nach dem 11.
September 2001 ergriffen haben. Denn bitter war die Erfahrung, dass man
gegenüber völliger Intoleranz nicht tolerant sein kann. Die Schweiz musste diese
bitteren Erfahrungen noch nicht spüren, noch nicht.
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