|
Als Bürger eines Staates in
Europa hat man es nicht einfach. Es geht dabei nicht um die alltäglichen
Problemchen, welche der Revolverpresse und den Klatschzeitschriften täglich Stoff
liefern und den Bürgern der heutigen Spassgesellschaft die Sicht für die
wichtigen Sinnfragen des Lebens immer wieder vernebeln. Man soll ja auch nicht
dramatisieren: Denn Europa ist der Hort unserer abendländischen Philosophie.
Nicht zufälligerweise entstanden in Europa die modernen Freiheitsrechte, die
von unschätzbarem Wert sind. Diese Freiheitsrechte ermöglichten es auch, dass
die Bürger dank freiem Eigentum und Privatinitiative einen in der Geschichte
noch nie dagewesenen Wohlstand schaffen konnten. Einen Wohlstand, von dem wir
heute alle täglich zehren können.
Dennoch hat man es als Bürger
eines Staates in Europa wirklich nicht einfach: Denn rund alle 50 bis 100 Jahre
wird Europa heimgesucht von einem oder sogar zwei Totalitarismen von kaum vorstellbarer,
schier teuflischer Ausprägung. Für diese Zeit ist Europa nicht mehr der Hort
der Freiheit, sondern ein Ort des Krieges, der Verwüstung, des Todes.
Der erste Totalitarismus moderner
Prägung kam in Frankreich auf. Im Gefolge der französischen Revolution ergriff
eine Gruppe – die Jakobiner – die Macht im Staat und machte das, was alle ihr
folgenden Massenmörder auch taten: Sie unterwarfen die Gesellschaft einer fanatischen
Ideologie, welche sie mit Hilfe der staatlichen Machtinstrumente durchsetzten. Jeder Winkel des Lebens wurde von der
Ideologie ergriffen – sprich infiziert – es gab keine Privatsphäre mehr. Abweichler
und Kritiker büssten mit ihrem Leben. Alles wurde kontrolliert, uniformiert,
gleichgeschaltet, alles stand unter dem Diktat des Staates: Es war eine
totalitäre Gesellschaft.
Nach genau demselben Schema, aber
dank den erweiterten technischen Möglichkeiten nur noch viel brutaler, gingen
die nationalen Sozialisten in Deutschland und die roten Sozialisten in Russland
vor.
Und heute? Europa ein friedlicher
Kontinent, zumindest Westeuropa, die Menschenrechte werden eingehalten, die
Wirtschaft wächst mehr oder weniger. So weit so gut. Doch am Horizont ist es
schwarz. Langsam aber sicher manifestiert sich eine neue Gefahr für die
Freiheit in Europa. Eine neue, fanatische Ideologie breitet sich über Europa
aus. Ihre Vertreter haben der freien Gesellschaft den Kampf angesagt. Die Rede
ist vom Islamismus. Seine Vertreter, von den Hasspredigern in den Moscheen bis
hin zu den Selbstmordattentätern, wollen unsere freiheitliche Rechtsordnung
durch die Scharia ersetzen. Der Islamismus grassiert zwar vornehmlich noch in
Subkulturen, doch ist er deshalb nicht weniger gefährlich. So sagte der
renommierte US-Politologe Samuel P. Huntington, Vater der These vom Kampf der
Kulturen: „Oft leben muslimische Immigranten in Ballungszentren eng
aufeinander, viele von ihnen sind arm, manche arbeitslos – ein idealer
Nährboden also für islamistische Terroristen. In gewissen Regionen kann man gar
von einer fünften Kolonne sprechen, die die Sicherheit aus dem Inneren
bedroht.“
Von Zeit zu Zeit, aber mit
steigender Kadenz demonstriert der Islamismus seine hässliche Fratze jedoch der
Öffentlichkeit: In den U-Bahnen von Madrid und London wurden zahllose
unschuldige Zivilisten Opfer von islamischen Terrorakten. In Deutschland wäre
es fast soweit gekommen. In Holland wiederum musste der Filmregisseur Theo van
Gogh für seine Islamkritik mit dem Leben bezahlen. Wer es – besonders als
Muslim – in Holland wagt, den Islam zu kritisieren, ist auf ständigen
Polizeischutz angewiesen, wie etwa die nun in den USA lebende Poitikerin Ayaan
Hirsi Ali oder der stellvertretende Bürgermeister von Amsterdam, Ahmed Aboutaleb.
Am Beispiel Deutschlands zeigt sich zudem, wie der Islamismus auch das Leben
der normalen Bürger zu dominieren beginnt. So lebt heute in Deutschland nicht
mehr sicher, wer sich aus der Familientradition einer islamischen Familie lösen
will. Ehrenmorde sind keine Seltenheit. Die muslimische Rechtsanwältin Seyran
Ates musste ihren Job wegen akuter Bedrohung durch ihre (muslimischen)
Verfahrensgegner aufgeben.
Und wie reagiert man im Westen
auf diese radikale Bewegung, die unserer abendländischen Kultur den Kampf – den
Kampf der Kulturen – angesagt hat? Man reagiert so, wie eine von Wohlstand
verwöhnte und vom Sozialstaat träge
gemachte Spassgesellschaft in einer solchen Situation reagiert. So, wie man auch
schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts reagiert hat, als Hitler
seine Macht auszubauen begann und sein Reich laufend vergrösserte: Man
verharmlost, verniedlicht, kooperiert und beschleunigt den eigenen Untergang.
Appeasement ist Kult. Nach wie vor. Dabei vergisst man: Mit Fanatikern
faschistischer, kommunistischer oder islamistischer Prägung kann man nicht kooperieren.
Bedenklich ist deshalb auch, wie die europäische Politik Terrororganisationen
im Ausland mit Samthandschuhen anfasst. Die Hamas, welche das Existenzrecht
Israels nicht anerkennt, wurde nach ihrem Wahlsieg in Palästina von hiesigen
Medien und Politikern quasi über Nacht zu einer Kraft mit demokratischem
Potential schöngeredet. Das wohl bedenklichste Beispiel für den Zustand unserer
Widerstandskraft liefert jedoch der holländische Justizminister Piet Hein
Donner. Er würde sich nicht mehr dagegen wehren, so der hohe Magistrat in
seinem verantwortungsvollen Amt, wenn eine Mehrheit der Niederländer die
Scharia einführen wollte. Man erinnert sich an Max Frischs „Biedermann und die
Brandstifter“, wo der Opportunist Biedermann aus Willensschwäche dem Brandstifter
dabei hilft, das eigene Haus anzuzünden.
Ein ebenso deutliches wie
düsteres Indiz für die Fixierung unserer Spassgesellschaft auf grenzenlose
Selbstverwirklichung sind die europaweit im Keller liegenden Geburtenraten.
Denn Kinder bedeuten Verpflichtungen und Verzicht. Das passt nicht in die
Karriereplanung und verhindert die Spassmaximierung. Europaweit sind die
Gesellschaften nicht mehr in der Lage, sich zahlenmässig zu erhalten. Das entstehende
Vakuum wird von Einwanderern gefüllt, viele von ihnen sind Muslime.
Doch anstatt von diesen Muslimen
Integration oder zumindest Integrationsbereitschaft zu verlangen, geben die
Eliten Europas beim kleinsten Windstoss die wichtigsten Errungenschaften gleich
selbst auf: Als die dänische Zeitung „jyllands-posten“ auf sarkastische Weise
den Propheten Mohammed dargestellt hatte, reagierten die Muslime mit Empörung und
verlangten Zurückhaltung bei der Ausübung der Meinungsfreiheit. Was tat der
Westen? Politiker entschuldigten sich für die Exzesse, Medien druckten aus
falscher Rücksicht die Karikaturen nicht ab. Ähnlich reagierten viele Medien
bei der Regensburger Rede des Papstes. Papst Benedikt hatte es gewagt, eine
islamkritische Aussage des byzantinischen Kaisers Manuel II Palaiologos zu
zitieren (nachdem er sich zuvor von seiner „schroffen“ Ausdrucksweise
distanziert hatte). In der Deutschen Oper Berlin wurde die Mozart-Oper
„Idomeneo“ abgesetzt. Ein Stück freilich, wo alle Religionen zu gleichen Teilen
kritisiert werden. Es gibt durchaus wache Geister, die auf die Gefahren dieses
islamistischen Faschismus hinweisen, wie etwa die kürzlich verstorbene, anerkannte
italienische Journalistin Oriana Fallaci. Doch was tat die europäische Politikerkaste?
Man wollte sie bestrafen, verhaften, einsperren. Für ihre Islamkritik. Auch die
Schweiz machte dabei keine Ausnahme. 2003 verlangten Schweizer Behörden auf
Druck muslimischer Organisationen die Auslieferung Oriana Fallacis, um sie nach
dem Antirassismusgesetz bestrafen zu können. Islamkritik ist politisch
unkorrekt. Wer nicht gerade einsperrt wird, der wird zumindest in die xenophobe
Ecke gerückt. Die eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR), sozusagen
die Oberayatollahs der politischen Korrektheit, bezeichnete „die
Heraufbeschwörung eines clash of civilisations“ als rassistisch.
Verhältnisse wie in Deutschland
oder Holland kennen wir glücklicherweise in der Schweiz noch nicht. Aber
dennoch: Die Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen waren auch hierzulande oft
hysterisch. An einer Demonstration von Muslimen in Bern gegen die Karikaturen
auf einem Transparent etwa zu lesen: „Religion kommt vor Medienfreiheit.“ Vor
allem machen die hiesigen Behörden genau dieselben Fehler, welche die Politik
in Holland oder Deutschland gemacht hat. Man fordert von den muslimischen Einwanderern
nicht deutlich genug, sich an die hiesigen Werte anzupassen: Wenn die EKR in
ihrem Bulletin „Tangram“ mit Verständnis über die Gewalt in muslimischen
Familien spricht, dann ist das ein Alarmzeichen. Im O-Ton: „Schläge sind in
muslimischen Familien ein anerkanntes Erziehungsmittel.“ „Den geschlagenen
Frauen ist das, was ihnen widerfährt, oft schon von der Mutter, der Schwester,
der Nachbarin her bekannt. Das Schlagen ist Privatsache, man mischt sich nicht
ein.“ Wenn muslimische Eltern sich weigern, dass ihre Kinder am
Schwimmunterricht oder an einem Klassenlager teilnehmen, dann ist das ein
Alarmzeichen. Wenn die Asylrekurskommission, sozusagen das höchste Gericht in
Asylfragen, in einem Fall eine nach schweizerischem Recht ungültige, nach
Scharia-Recht aber gültige Ehe anerkennt, dann ist das ein Alarmzeichen. Auch
islamistische Hassprediger gibt es in der Schweiz. Einer davon, Hani Ramadan,
rechtfertigte öffentlich die Steinigung von Frauen. Sein Bruder, Tarik Ramadan,
gab sich etwas differenzierter und forderte „nur“ ein Moratorium für
Steinigungen.
Die entsprechenden Warnrufe der
Boulevardblätter blieben hierzulande jeweils aus. Was steht stattdessen im
Vordergrund? Kampfhunde- und Rauchverbote, Polemik gegen die USA, Konzerte von
Rechtsextremen und jede Menge Klatsch. Während die Bürger und Politiker in
Europa sich mit den Problemen oder Problemchen des Alltags beschäftigen,
steuern unsere Gesellschaften direkt ins Fiasko: Statt einer selbstbewussten
abendländischen Leitkultur herrscht auch in der Schweiz eine multikulturelle
Anarchie. So kann der Islamismus auch in der Schweiz wachsen, unter der
schützenden Hand des Multikulturalismus.
|