>>zurück zu Artikel
2008: Das europäische Jahr der interkulturellen Selbsterniedrigung


Was wird uns 2008 beschäftigen? Sicherlich einmal die Fussballeuropameisterschaft: Top-Teams und begnadete Einzelspieler werden in Stadien und auf Leinwänden zu sehen sein. Fussballfans dürfen sich auf zahlreiche gesellige Momente freuen. Die Wirtschaft kann mit zusätzlichen Umsätzen rechnen.

Das Fussballfieber scheint indes nicht so recht bis nach Brüssel vorgedrungen zu sein. Die dort stationierten Berufseuropäer beschäftigen sich nämlich vorzugsweise mit nobleren Angelegenheiten. Zum Beispiel mit der Koexistenz verschiedener Kulturen. Brüssel erklärt deshalb das Jahr 2008 zum „europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs“. Gleich 10 Millionen Euro (d.h. ca. 16,3 Mio. SFr.) haben die EU-Kommissare gesprochen, um ihren Völkern Sonderunterricht in interkulturellem Dialog zu verordnen. Angesichts der Wichtigkeit des Themas will man ja nicht knausrig sein, und bezahlen wird sowieso alles der Steuerzahler. 2007 war übrigens das „europäische Jahr der Chancengleichheit für alle“. Da waren die amtlichen Geldverteiler in Brüssel noch grosszügiger: 13,6 Mio. Euro (d.h. gut 22 Mio. SFr.) gab´s für Nachhilfekurse  an die moralisch offenbar unterbelichteten Völker.

Ján Figel´, der für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend zuständige EU-Kommissar erklärt: „Schlichte Toleranz genügt heute nicht mehr. Wir müssen den Anstoß für eine echte Verwandlung unserer Gesellschaft geben, damit ein interkulturelles Europa entstehen kann, in dem die verschiedenen Kulturen sich konstruktiv austauschen und interagieren und der Respekt der Menschenwürde Allgemeingut ist.

Man darf also gespannt sein, wie sich die EU diesen „interkulturellen Dialog“ vorstellt. Dialog bedeutete bis jetzt nämlich, dass Europa brav politisch-korrekt Forderungen irgendwelcher Minderheiten abnickt oder ihnen in vorauseilendem Gehorsam von selbst entgegenkommt. Vor allem Muslime nutzen diese Dialogform rege. Etwa, wenn Demonstranten gegen harmlose Karikaturen, islamkritische Zitate oder eine Folge der Krimiserie „Tatort“ (Thema: Ehrenmord bei Muslimen) auf die Strasse gingen. Westliche Politiker und Medienschaffende entschuldigten sich dann jeweils für ihre unsensiblen Staatsbürger, zeigten Verständnis für die freiheitsgeschädigten Muslime und begannen damit, grundlegende Werte der abendländischen Kultur zurechtzurelativieren. Manchmal wird auch die Weihnachtsfeier zur Disposition gestellt, wie es das „institute for public policy research“ der englischen Labour-Regierung empfohlen hat. In England gibt es übrigens auch keinen islamischen Extremismus mehr, jedenfalls in der Beamtensprache. Das wurde den Beamten nämlich von der Regierung verboten. Stattdessen soll man zukünftig von „antiislamischen Aktionen“ sprechen, wenn sich ein muslimischer Selbstmordattentäter im Namen des Islams in die Luft sprengt. In Schweden wurde ein Vorstoss zur Legalisierung der Polygamie eingereicht, und in der englischen Stadt Bury wird Muslimen an islamischen Feiertagen offiziell das Falschparken im Umkreis der Moschee erlaubt – vor der Moschee waren nämlich alle Plätze besetzt. Zur gleichen Zeit nimmt man es mit Menschenrechten in muslimischen Staaten nicht so genau. Darauf hinzuweisen wäre aber politisch-unkorrekt. Die von EU-Kommissar Figel´ angesprochene Verwandlung findet also bereits statt, in Form der Islamisierung Europas.

Einen interkulturellen Dialog der besonderen Art wird übrigens dieses Jahr die EU mit der Schweiz führen, nämlich zum Thema Steuerstreit. Wobei auch hier eher von einem Kampf statt einem Dialog der Kulturen zu sprechen ist. Es prallen nämlich zwei völlig unterschiedliche Ansichten über das Wesen des Staates zusammen. Hier die Schweiz, wo der Bürger für sich selbst verantwortlich ist und nur soweit nötig Gelder an den Staat abtritt. Dort die EU, wo der Staat grundsätzlich allmächtig ist. Wo der Bürger bloss Teil in einer Art gigantischen Wohlfühlbürokratie ist und wo deshalb jede Steuererleichterung als unerlaubte Subvention qualifiziert wird.

Sinnvollerweise sollte die Schweiz ihre Trümpfe nicht schon vorweg aus der Hand geben und gehorsamst alle Wünsche der EU erfüllen (Elektrizitätsabkommen, Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Rumänien und Bulgarien), um im Steuerstreit dann mit abgesagten Hosen dazustehen.

Deshalb: Ohne Anerkennung der Steuersouveränität der Schweiz kein Elektrizitätsabkommen und erst recht keine Personenfreizügigkeit mit Rumänien und Bulgarien. Die Landesregierung indes glänzt wieder einmal mit wenig Stehvermögen. Bundesrat Merz, sonst immer sachlich, nennt die Forderung nach einer Verknüpfung pervers. Andere Bundesräte wollten schon immer der EU beitreten (Calmy-Rey, Leuenberger) und haben sich deshalb geistig bereits von der Souveränität der Schweiz verabschiedet. Die Schwäche unseres Bundesrates ist selbstverständlich auch der EU bekannt. Deshalb führt sie auch den „Dialog“ mit uns.


hinauf